Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Kaiser Joseph und Maria Theresia : 3. Band (1857)
Entstehung
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einer ſo furchtbaren Heftigkeit ausgebrochen, daß, wie Wraxall erzählt,„einzelne Theile ihres Körpers ſchon vor ihrem Tode in Verweſung und Fäulniß über⸗ gingen.“ Auch erfolgte nach dem Tode die Auflöſung ſo ſchnell, daß es un⸗ möglich war, die Leiche, wie es ſonſt bei den Leichen der Kaiſerfamilie geſchah, einzubalſamiren, und vor dem Publikum zur Schau auszuſtellen. Man war genöthigt, die Leiche ſofort in Leinen einzunähen, und nur der geſchloſſene Sarg konnte öffentlich ausgeſtellt werden. Daher verbreitete ſich namentlich in Bai⸗ ern, wo man wußte, wie unglücklich Kaiſer Joſeph mit ſeiner Gemahlin lebte, die Sage, die Kaiſerin Joſepha ſei gar nicht geſtorben, ſondern heimlich in ein Kloſter gebracht, und nur zum Schein habe man ſie beerdigt. Viele Leute langen Jahren, daß ſie noch lebe, ja es gab Leute, welche

glaubten noch nach aiern wollten erkannt

die Kaiſerin Joſepha als Nonne in einem Kloſter in B haben. Karoline Pichler Denkwürdigkeiten. Th. I. S. 142.

VII. Die Spiegel.

Sechs bange Wochen waren vergangen, ſechs Wochen der Traurig⸗ keit, der Angſt und Sorge, nicht blos für das Kaiſerhaus, ſondern für ganz Wien, für ganz Oeſterreich! Wie ein verheerender Sturmwind war durch ganz Oeſterreich die Kunde dahin gebrauſt:„die Kaiſerin hat die Pocken! Die Kaiſerin iſt in Todesgefahr!“ Ueberall hatte man ſie mit Wehklagen und Thränen aufgenommen, überall harrte man mit banger Trauer auf Nachrichten aus dem Kaiſerſchloß, wo van Swieten und von Störk, die beiden Leibärzte der Kaiſerin, Tag und Nacht an dem Lager der Kranken weilten, alle Mittel ihrer Wiſſenſchaft aufwen⸗ dend, um das Leben Maria Thereſia's dem Tode abzuringen. Aus allen Provinzen ſandte man Deputationen nach der Hauptſtadt, um dem jungen Kaiſer das Beileid und die Sympathieen der Unterthanen zu verſichern, und Tauſende von Menſchen umlagerten zu allen Zeiten des Tages die Kaiſerburg, um die erſten zu ſein, welche die Bulletins empfingen, die van Swieten vier Mal des Tages über das Befinden

der Kaiſerin ausgab.