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ich,— ich liebte. Nein, ich bin nicht unglücklich, denn die Liebe ſteht an meinem Lager, und ſie ſchaut mich nicht mehr wie ſonſt mit zürnen⸗ den und verachtenden Augen an, ſondern mit ſanften mitleidsvollen Blicken. Oh, ich werde ſterben unter dieſen Blicken der verſöhnten Liebe! Auch der Tod iſt die Liebe, und er wird jetzt kommen, meine Lippen zu küſſen, dieſe Lippen, welche Niemand ſonſt küſſen mochte. Oh, der Tod wird mein erſter Geliebter ſein, und ich werde in ſeliger Umar⸗ mung mich an ihn ſchmiegen. Er wendet ſich nicht von mir, Er nicht, denn der Tod iſt die Liebe und das Erbarmen! Der Tod wird von meinem Antlitz dieſe häßliche, abſcheuliche Maske wegnehmen, welche das Leben mir aufgeheftet hat, der Tod wird meiner Seele ihre Schönheit wiedergeben, und dann wird Joſeph mich auch lieben, und dann wird er mein gedenken und ſich mir verſöhnen, denn der Tod iſt die Ver⸗ ſöhnung! Er kommt! Ich fühle ſchon ſeinen Kuß! Lebewohl, Joſeph! Der Tod iſt die Liebe und die Verſöhnung! Lebewohl!
Lebewohl, Joſepha! flüſterten Joſeph und Maria Thereſia zugleich.
Eine bange fürchterliche Pauſe trat ein, dann ein banges ſchmerz⸗ volles, zuckendes Aufathmen, und wieder war Alles ſtill!
Sie iſt erlöſt! ſagte van Swieten, indem er an die andere Seite des Lagers trat. Möge ihre Seele in Frieden ſcheiden!
Die Urſulinerinnen begannen die Todesgebete, Maria Thereſia, überfluthet von Thränen, faltete ihre Hände und wiederholte leiſe die heiligen Worte der frommen Schweſtern. Auf einmal ſtieß ſie einen Schrei aus, und ſank rückwärts taumelnd, in die Arme des Kaiſers.
Meine Mutter, meine theure Mutter! rief Joſeph entſetzt.
Van Swieten legte leiſe ſeine Hand auf des Kaiſers Schulter. Still, Majeſtät, ſtill, ſagte er feierlich. Stören wir nicht die Ruhe der beiden Kaiſerinnen. Jene dort hat ausgelitten, dieſe hier wird noch viel zu leiden haben. Möge Gott uns gnädig ſein, und meiner Wiſſen⸗ ſchaft Kraft geben, Maria Thereſia dem Tode zu entreißen!
Dem Todes rief Joſeph entſetzt.
Ja, dem Tode! ſagte van Swieten. Die Kaiſerin hat die Pocken!*)
*) Die Kaiſerin Joſepha ſtarb am 28. Mai 1767, neun und zwanzig Jahre alt. Die Pocken, denen ſie erlag, waren in ihrem ſiechen Körper mit


