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werden wir die andere Kaiſerin auf das Krankenlager betten müſſen! Oh mein Gott, werde ich wenigſtens Kraft haben, dieſe zu erretten?
Während van Swieten den Kaiſer aufſuchte, ging Maria Thereſia mit feſtem, entſchloſſenem Schritt weiter durch die verödeten Säle und Gemächer, deren unheimliche Stille ſie mit Grauſen und Entſetzen er⸗ füllte. Aber jetzt ward dieſe Stille durch lautes Klagegeſchrei und Jammern unterbrochen, denn die Kaiſerin betrat jetzt das Vorzimmer der Kranken, deren Jammergeſtöhn das Herz Maria Thereſia's mit Ent⸗ ſetzen erfüllte. Einen Moment ſchien die Kaiſerin zu ſchwanken, und trat zögernd und unentſchloſſen von der Thür zurück, hinter welcher das grauenhafte Todesächzen ertönte. Aber dann ſchritt ſie muthvoll weiter, und öffnete mit entſchloſſener Hand die Thür des Krankenzimmers. Mit halb geſchloſſenen Augen, um nichts zu ſehen, und durch nichts, was ſie ſehen konnte, ſie zurückſchrecken zu laſſen, eilte die Kaiſerin vor⸗ wärts, gerade zu dem Lager hin, vor welchem zwei Urſulinerinnen, zwei dieſer muthigen und unverdroſſenen Krankenpflegerinnen, welche van Swieten hierher gebracht, auf ihren Knieen lagen, und leiſe Gebete murmelten. Sie ließen ſich durch das Nahen der Kaiſerin nicht unter⸗ brechen in ihrem frommen Dienſt; da ſie dem Körper keine Hülfe mehr zu bringen vermochten, wollten ſie der Seele den Troſt ihrer Gebete darbringen.
Ob Joſepha dieſen Troſt empfand? Sie hatte vorher laut ge⸗ wimmert und geklagt, jetzt war ſie ſtill. Sie hatte die Thür ſich öffnen gehört, mit einer letzten, furchtbaren Anſtrengung hatte ſie verſucht ſich emporzurichten, aber ihre Seele hatte ihrem Körper nicht zu gebieten vermocht, und mit einem leiſen Todesächzen war ihr Haupt in die Kiſſen zurückgeſunken. Aber ihre Seele war noch nicht geſtorben, ſie ſtrahlte noch aus ihren Augen, die mit geſpannter, angſtooller Erwartung der Thür zugewandt waren. Jetzt gewahrte ſie die Kaiſerin, welche an ihr Lager trat, welche, mit dem Muth einer edlen Seele ihr Entſetzen und Grauen überwindend, ſich über ſie neigte, und ſie mit einem Lächeln begrüßte, ſo ſanft und gütevoll, wie Joſepha es niemals früher von ihr empfangen.
Gott ſegne Dich, meine arme Tochter Joſepha! flüſterte die Kai⸗ ſerin tiefbewegt. Ich komme zu Dir, um Dir den Segen einer Mutter


