Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Kaiser Joseph und Maria Theresia : 3. Band (1857)
Entstehung
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ſer aufgeregten Stimmung. Erlauben Sie mir, den Kaiſer hierher zu rufen?

Halte Er mich nicht auf, ſagte die Kaiſerin vorwärts ſchreitend. Ich will nicht zum Kaiſer gehen!

Und was wollen Ew. Majeſtät denn ſonſt thun? fragte van Swieten entſetzt.

Die Kaiſerin, welche ſchon das Vorzimmer durchſchritt, blieb ſtehen, und wandte ihr Antlitz, welches in edler Energie ſtrahlte, dem Arzte zu.

Ich will thun, was meines Amtes und meiner Pflicht iſt, ſagte ſie mit voller, mächtiger Stimme. Ich will thun, was mir die chriſt⸗ liche Liebe und mein eigen Herz gebietet. Ich will zu Joſepha gehen!

Nein, Majeſtät, rief van Swieten, indem er, aller Etiquette zum Trotz, mit ſeinen beiden Händen den Arm der Kaiſerin faßte, und ſie zurück hielt, nein, Sie werden das nicht thun! Sie dürfen Sich nicht dieſer furchtbaren Gefahr ausſetzen, die vielleicht an dem Sterbebette der Kaiſerin Ihrer wartet, Sie ſind es Ihrem Volke, Ihren Kindern ſchuldig, Sich vor jeder Anſteckung zu behüten und zu wahren!

Die Kaiſerin lächelte faſt verächtlich. Doctor, ſagte ſie, woher hat meine Tochter Johanna, welche wir vor acht Tagen begraben haben, dieſe Krankheit bekomnen? Woher hat Iſabella, des Joſephs erſte Ge⸗ mahlin, ſie bekommen! Nicht durch Anſteckung! Denn Niemand hatte die Krankheit vor ihnen im Schloß gehabt. Gott war es, welcher ih⸗ nen dieſe Krankheit ſandte, und ſie zu ſich rief, Gott war es, welcher mich bisher vor dieſer Krankheit beſchützte. Wenn er will, daß auch ich ſie erleiden ſoll, ſo braucht es dazu nicht der⸗Anſteckung, ſo kann ich ſie bekommen, wie ſie Johanna und Iſabella bekommen haben, ohne Anſteckung. Gott wachet über uns Allen, laſſe Er uns gehen!

Nein, Majeſtät, nein, rief van Swieten, immer noch bemüht, die Kaiſerin zurückzuhalten. Es iſt wahr, Ew. Majeſtät kann dieſe furcht⸗ bare Krankheit auch ohne Anſteckung bekommen, aber dann iſt es der Wille Gottes, nicht die Schuld der Menſchen, wie es jetzt meine Schuld ſein würde, wenn Ew. Majeſtät ſie an dem Sterbelager der Kaiſerin empfingen. 4

Ich ſpreche Ihn von dieſer Schuld frei, ſagte die Kaiſerin. Halte Er mich nicht auf, denn ich ſage Ihm, es iſt meine Pflicht, das arme