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grauen Schattengeſtalten, welche ihr eine roſige Wange, ein heiteres Auge zeigte, farblos waren alle dieſe Angeſichter, von ſchmerzvollen Thrä⸗ nen umdüſtert alle dieſe Augen. Sie ſprachen zu ihr die Geiſter der Erinnerungen, ſie ſprachen zu ihr von den Tagen, welche geweſen, und mit ihnen gedachte ſie all der Schmerzen und des Jammers, all der Demüthigung und Schmach, welche ſie erduldet hatte.
Ach, mit welchen Hoffnungen, welchen ſtolzen, ſeligen Zukunftsträumen war ſie eingezogen in dieſes Schloß, in welchem ſie jetzt, geflohen und gemieden von Jedermann, da lag. Mit welchem frendigen Entzücken war ihr Herz dem jungen, heißgeliebten Gemahl entgegen geflogen an jenem Hochzeitsabend, als er zu ihr eintrat in das ſchöne glänzende Gemach, und wie furchtbar, wie zerſchmetternd war die Täuſchung ge⸗ weſen! Sie gedachte deſſen.
Sie gedachte auch, wie milde und erbarmend der Kaiſer Franz gegen ſie geweſen, wie er Mitleid gehabt mit ihren Leiden und ihrer Qual, wie er ſie heimlich auf jenen Maskenball in Insbruck geführt, damit ſie das Herz des Gemahls zu rühren ſuche durch ihre Liebe, und ihr Flehen. Aber Joſeph hatte ſie zurückgeſtoßen, und aus ihrer ſchmerzvollen Betäubung hatte man ſie aufgeſchreckt mit der Nachricht, daß der Kaiſer Franz plötzlich geſtorben ſei. Da war ſie laut jam— mernd niedergeſunken auf ihre Kniee, und hatte gerufen:„Unglückliche, die ich bin, ich habe meinen einzigen Beſchützer verloren!“*) Sie ge⸗ dachte deſſen.
Sie gedachte auch, wie ſie einſam und verlaſſen ſeitdem in dem Kaiſerſchloß gelebt, immer den ſpöttelnden Bemerkungen der ſchönen Erzherzogin Chriſtine ausgeſetzt, welche es der armen Joſepha niemals hatte verzeihen können, daß ſie, und nicht die ſächſiſche Kunigunde, die Schweſter des geliebten Prinzen Albert, die Gemahlin Joſephs gewor⸗ den.**) Selbſt die ſonſt ſo erbarmungsvolle und gütige Kaiſerin Maria Thereſia hatte kein Erbarmen mit ihr gehabt, ſelbſt ſie war hart und rauh gegen ſie geweſen, und hatte es ihr nie verzeihen können, daß die
*) Wraxall, Vol. II., p. 411. **) Ebendaſelbſt S. 413.


