Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Kaiser Joseph und Maria Theresia : 3. Band (1857)
Entstehung
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Frau Mutter ein ehrerbietig Angeſicht zu zeigen. Ich ſag; Ihm, Herr Sohn, Er wird nicht zu dieſer Zuſammenkunft mit dem König von Preußen gehen, denn ich bin Seine regierende Kaiſerin, und ich ver⸗ biete es Ihm!

Iſt das Ew. Majeſtät letztes Wort?

Es iſt mein letztes!

Dann habe ich Ew. Majeſtät nichts weiter zu ſagen, als daß ich, wie es einem Unterthanen ziemt, gehorchen werde, ſagte Joſeph mit vollkommen ruhigem Ton, während ſein Geſicht todesbleich war, und ſeine Lippen bebten. Ich werde die Einladung des Königs von Preu⸗ ßen nicht annehmen. Und damit bitt' ich Ew. Majeſtät mich in Gna⸗ den zu entlaſſen!

Ohne die Antwort der Kaiſerin abzuwarten, verneigte er ſich tief, und verließ haſtigen Schrittes das Gemach. Draußen auf dem Cor ridor, wo ihn Niemand ſehen konnte, blieb er ſtehen, und lehnte ſich einen Moment ganz betäubt und zerbrochen an die Mauer.

Abgewieſen wie ein unmündiger Schulknabe! murmelte er leiſe vor ſich hin, während Thränen des Zorns ſeine Augen umdüſterten. Zwei Ketten an meinen Füßen! Die Kette dieſer furchtbaren Ehe, und die Kette meiner Sohnespflicht. Beide heminen mich bei jedem Schritt. Wenn ich vorwärts gehen möchte, ziehen ſie mich zurück und ſchneiden ſich blutend in mein Fleiſch ein. Immer Hemmniß, immer Zwang; mit gelähmten und gefeſſelten Füßen ſtehe ich da, dem Lande ein Spott, mir ſelber ein Gegenſtand der Schaam und des Jammers. Wie ein angekoppeltes junges Roß darf ich mich im Kreiſe drehen, ſo weit es die Ketten erlauben, die ſie mir an die Füße gelegt haben, nicht weiter! Und doch drängt Alles in mir nach Vorwärts, ach, und ich kann nicht, kann nicht, was ich will!— Aber es hilft nichts, darüber zu klagen und zu trauern, fuhr er nach kurzer Pauſe fort, ich muß das Unab⸗ weisbare, Unabänderliche zu tragen ſuchen, wie ein Mann! Ich darf und will kein Rebell ſein, alſo muß ich ſchweigend dulden, gehorchen und warten! Auch meine Zeit wird kommen!

Er richtete ſich entſchloſſen empor, und ſchritt kräftigen und ent⸗ ſchloſſenen Ganges den Corridor hinauf nach ſeinen Zimmern hin. In ſeinem Cabinet angelangt, trat er haſtig zu ſeinem Schreibtiſch