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Maria Thereſia legte gleichſam beſchwichtigend ihre Hand auf die Schulter ihres Sohnes. Reiſe, mein Sohn, reiſe, ſagte ſie. Schau Dich um in der Welt, genieße das Leben, und die glückliche Stunde. Wirſt auch ſehen, wie wenig Menſchen es überhaupt giebt, welche glück⸗ lich ſind, und das mag Dich verſöhnen mit Deinem eigenen Unglück.
Der Kaiſer ſchüttelte traurig ſein Haupt. Nichts kann mich ver⸗ ſöhnen und tröſten, ſagte er düſter, nichts als der Tod. Wohin ich auch gehe, die Kette dieſer Ehe wird immer hinter mir herſchleppen und ich werde ſie immer klirren hören. Sprechen wir nicht mehr davon! Ich danke Ew. Majeſtät, daß Sie mir gnädigſt Urlaub ertheilt haben, ich danke Ihnen mehr noch für dieſe ſchöne und heilige Stunde, deren Erinnerung niemals aus meinem Herzen entſchwinden wird. Sie waren mir in dieſer Stunde eine zärtliche und theilnahmsvolle Mutter, und immerdar ſollen Sie an mir einen dankbaren und gehorſamen Sohn finden!
Aber Du haſt mir noch nicht geſagt, wohin Du zu reiſen gedenkſt, fragte die Kaiſerin, und welches das Ziel Deiner Fahrt ſein ſoll?
Ich denke mit Ew. Majeſtät gnädiger Erlaubniß durch Böhmen und Mähren zu reiſen, und ſodann den Höfen von München und Dresden einen Beſuch abzuſtatten. Beide Höfe haben durch ihre Ge⸗ ſandten mir ſehr dringende und ergebene Einladungen geſandt.
Und es iſt Recht und der Höflichkeit gemäß, daß Du dieſe Ein⸗ ladungen annimmſt, ſagte die Kaiſerin lebhaft. Es iſt nützlich und wichtig für uns, mit allen deutſchen Fürſten in gutem Einvernehmen zu ſtehen, und ſie in Lieb' und Eintracht zu ſchaaren um unſern Thron.
Weil Ew. Majeſtät ſo denken, werden Sie auch erlauben, daß ich noch einer dritten Einladung, die ich erhalten habe, nachkommen darf,
ſagte Joſeph lebhaft. Der König Friedrich von Preußen hat mich zu 9 ſep) g
einer Zuſammenkunft in Torgau eingeladen.
Die Kaiſerin zuckte zuſammen, und ihre Stirn verfinſterte ſich. Der König Friedrich von Preußen? fragte ſie athemlos.
Ja, Majeſtät, er hat mich eingeladen, und um die Wahrheit zu ſagen, er iſt mit dieſer Einladung meinen lebhafteſten Wünſchen ent⸗ gegengekommen. Ich ſehne mich, endlich dieſen Mann von Angeſicht zu Angeſicht zu ſchauen, den ich faſt wider meinen Willen ſchon bewun⸗ derte, als er noch unſer Feind war, und uns in blutigen Schlachten
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