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rende Kaiſerin von Oeſterreich, Sie dürfen Ihrem Sohne Ihre Stelle nicht einräumen, es iſt wider Ihre Pflicht und das gute Recht Ihrer Völker!
Die Kaiſerin nickte mehrmals lebhaft mit dem Haupt. Hab' auch ſo gedacht, ſagte ſie, hab' nicht im Hochmuth, ſondern in der Demuth meines Herzens erkannt, daß ich nicht das Recht hab', dem lieben Gott aus der Schul' zu laufen, und zu ſagen:„die Laſt, die Du mir auf⸗ erlegſt, wird mir zu ſchwer, darum werfe ich ſie ab!“— Fühl' daß meine Schultern noch ſtark ſind, die Laſt zu tragen, die mir Gott auf erlegt, und ihm ferner eine gehorſame Dienerin und Magd zu ſein. Er allein hat mich zur Kaiſerin gemacht, ihm allein ſei die Ehr' und Gewalt, die Krone von meinem Haupt zu nehmen, und das noli me tangere, das wir Fürſten um unſere Kronen ſchreiben, es ſoll auch gelten für unſere eigenen Hände! Werd' alſo meine Hände nicht wieder freventlich erheben zu dieſer Krone, ſondern Gott anflehen, daß er mir Kraft gebe, ſie würdig und zum Glück meiner Völker zu tragen. Er aber, Herr Fürſt, muß mir treu zur Seite bleiben, darf mich nimmer verlaſſen, ſondern muß immer meine rechte Hand bleiben, wie Er's mir damals gelobt hat. Wir haben zuſammen den Bauplan entworfen zu unſerm neuen, ſchönen Oeſterreich, und ebenſo wenig wie ich, darf Er die Hand in den Schoß legen, und müßig gehen, bevor nicht unſer Bau vollendet iſt.
Ich bleibe, und baue weiter mit Ew. Majeſtät, bis von dem Giebel des vollendeten Gebäudes die ſchwarzgelbe Fahne der Habsburger weht! Und wir wollen ſchon ſorgen, Majeſtät, daß auch dem Gebäude enicht die äußere Pracht und die zierlichen Ornamente fehlen ſollen. Haben wir doch ſo ſchöne, junge Erzherzoginnen, die ſo ganz dazu geeignet ſind, dem Hauſe Habsburg zum Glanz und zur Zierde zu ge⸗ reichen, und dieſen Glanz in die entfernteſten Königreiche hinzutragen. Von innen wollen wir unſerm Hauſe durch feſten Bau und ſolide Mauern Dauerhaftigkeit und Kraft geben, von außen ihm durch unſere Allianzen und Heirathen Glanz und Schimmer verleihen.
Er hat gewiß wieder eine Heirath vorzuſchlagen? fragte die Kaiſerin mit freudeglänzenden Augen.
Ja, Majeſtät, eine Heirath mit dem jungen König von Neapel. Kaiſer Joſeph. 1. Abth. III. 8


