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ſtarr war ihr Auge in das Leere gerichtet; wie eine Nachtwandelnde ſchritt ſie hinaus aus der Kirche, beſtieg ſie den Wagen, der ſie wieder zurückführte in die Kaiſerburg.—
Aber nicht in die früher vor ihr bewohnten Gemächer kehrte die Kaiſerin zurück, nicht zu dieſen von Glanz und Pracht, von Luxus und Feſtesſchimmer ſtrahlenden Räumen, welche Maria Thereſia bis jetzt an der Seite ihres Gemahls bewohnt, wandte die von der Gruft des Ge⸗ mahls heimkehrende Kaiſerin ſich hin. Mit einem tiefen bangen Seuf⸗ zer ſchritt ſie vorüber an den Thüren ihres Glückes, die jetzt für immer geſchloſſen waren, und ſtieg langſam die ſchwarz behangene Treppe hinauf in das zweite Stockwerk des Pallaſtes, welches ſie jetzt bewoh⸗ nen wollte. Welch ein furchtbarer, thränenreicher Contraſt zwiſchen die— ſer neuen Wohnung der Kaiſerin und der, welche ſie früher inne ge⸗ habt. Dort funkelte Alles von Gold und Cryſtall, von Sammet und Seide, dort bedeckten köſtliche Gobelins, golddurchwirkte Sammettapeten die Wände, blühten auf den türkiſchen Teppichen die farbenreichſten, köſtlichſten Blumen des Orients, ſtanden vergoldete Meubles, mit Edel⸗ ſteinen ausgelegte Marmortiſche umher. Hier in den neuen Wittwen⸗ zimmern der Kaiſerin war Alles glanzlos und trübe; mit ſchwarzem Sammet waren die Wände beſchlagen und die Meubles bedeckt, nir⸗ gends Gold und Schmuck, Blumen und Farbenglanz, Alles trübe und öde, glanzlos und traurig, wie das Herz der Kaiſerin, welche jetzt ſo bleich und kalt, ſo reſignirt und ſchweigend durch dieſe Räume dahin ſchritt, um ſich in ihr Schlafgemach zu begeben. Trauriger noch abs all' die übrigen Räume war dieſes neue, einſame Schlafgemach der Kaiſerwittwe. Als ob das Schwarz noch zu viel Farbe und Glanz enthalte, hatte Maria Thereſia für dies Gemach das öde, nichtsſagende, todeskalte Grau gewählt. Mit grauer Seide waren die Wände be⸗ deckt, graue Borhänge verhüllten ihr einſames Wittwenlager, ein grauer Teppich mit weißen Lilien durchwebt bedeckte den Fußboden, mit grauem Sammet waren die Meubles überzogen.*)
Als die Kaiſerin in dieſes farbloſe, öde Zimmer eintrat, flog ein rührendes, trauriges Lächeln über ihr bleiches Antlitz hin, und gleich—
*) Karoline Pichler: Denkwürdigkeiten I. 20.


