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zen war eine ſolche zweite Ehe als eine Unmöglichkeit erſchienen, und weil ſie fühlte und wußte, daß nimmer ein Anderer neben ihr die Stelle ihres geliebten Franz einnehmen würde, hatte ſie für ihn und ſich ſchon das Lager des Todes gebettet. Aber auch im Tode wollte ſie ihren„großen Kaiſer“ nicht als eine lebloſe, ſtarr hingeſtreckte Ge⸗ ſtalt ſich denken, und wie er ewig in ihrem Herzen leben würde, ſollte er auch im Tode an ihrer Seite leben. Nicht zwei Leichen, ſondern zwei Liebende ſind es, die da neben einander auf dem erzernen Lager in der Kapuzinerkirche zu Wien ruhen. Rings um ſie her in ihren Grüften ſchlafen die Kaiſer und die Kaiſerinnen mit ihren Kindern und veniand en ui Alle hat der Tod überwunden und ihnen die Augen geſchloſſen, ſtarr und kalt wie ihre Gebeine in den Särgen ruht ihre Geſtalt in Stein oder Erz über denſelben; das ewige Schweigen, die ewige Nacht des Todes liegt über den erſtarrten Zügen, den lebloſen Augen. Nur Maria Thereſia und ihr Kaiſer ſchlafen nicht, nur ſie Beide haben die Augen geöffnet, nur ſie Beide, er halb aufgerichtet von ſeinem Lager, ſie, das Antlitz ihm zugewandt, ſchauen ſich an mit zärtlichen Blicken, mit glücklichem Lächeln, und der Genius des Todes, welcher hinter ihnen ſteht mit dem Cypreſſenkranz, verwandelt ſich für ſie in den Genius der ewigen Liebe, der ihnen den unverwelklichen Myrtenkranz darreicht.
Unter dieſem Monument, das ſchon ſeit zwanzig Jahren des Kai⸗ ſerpaares in der Kapuzinerkirche zu Wien harrte, ruhte jetzt der Kaiſer Franz. Die Leichenfeierlichkeiten waren beendet, die Todtenglocken waren verhallt, der lange Zug der freiwilligen und officiellen Leidtragenden hatte ſich zerſtreut; nur die Kaiſerin Maria Thereſia war noch in der Gruft zurückgeblieben, und neben dem ehernen Todeslager ihres Ge⸗ mahls knieend, betete und weinte ſie viele Stunden lang. Aber endlich waren ihre Thränen verſiegt, und mit ihrer gewohnten ſtolzen Haltung trat die Kaiſerin aus der Gruft hervor; mit feſtem Schritt, mit hoch⸗ gehobenem Haupte ging ſie durch die hallenden Gänge der Kirche da⸗ hin, di eehüllt in die ſchwarzen Schleier, die i anze Geſtalt umfloſſen und wie eine dunkle Wolke hinter ihr her flatterten. Sie ſah nicht, daß die Mönche des Kloſters ſich zu beiden Sciten ihres Weges aufgeſtellt hatten, ſie erwiederte nicht ihre demüthigen Begrüßungen,


