Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Kaiser Joseph und Maria Theresia : 3. Band (1857)
Entstehung
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jetzt nit weiter, Charlotte, und ſträube Dich nicht mehr! Nimm Deine Scheer' und ſchneide!

Die Kaiſerin neigte ihr Haupt tiefer herab, und ſtand in demü⸗ thiger, gebeugter Haltung da, den Streich erwartend, der ihr Haupt ſeines ſchönſten natürlichen Schmuckes berauben ſollte. Charlotte von Hieronymus nahm ſeufzend die Scheere, und mit zitternder Hand ſchnitt ſie von dem Haupt der Kaiſerin die langen ſchönen Haarflechten, welche Maria Thereſia ihrem Gemahl als letzte Liebesgabe in den Sarg legen wollte.*)

II. Bie Kaiſerin als Aebtiſſin.

Die Todtenglocken waren verhallt. In der unterirdiſchen Gruft bei den Kapuzinern war die Leiche des todten Kaiſers beigeſetzt unter dem herrlichen Monument, das bald nach dem Beginn ihrer Regierung die Kaiſerin für ſich und ihren Gemahl hatte errichten laſſen, und welches das Kaiſerpaar darſtellte, neben einander ruhend, nicht in der Starrheit des Todes, ſondern in der ewigen Lebenskraft der Liebe, welche den Tod überwindet. 3

Damals in der erſten glücklichen Schwärmerei ihrer Liebe hatte Maria Thereſia aller Welt die Ewigkeit und Unauflösbarkeit ihres Ehe⸗ bundes verkünden wollen, und in der Fülle der Jugend und Schönheit hatte ſie daher ſich und dem Gemahl ſchon das Monument errichtet, welches zugleich das Monument ihrer Treue und Liebe ſein ſollte. Denn der jungen und ſchönen Kaiſerin war nicht einmal der Gedanke gekom⸗ men, daß der Tod dieſe Ehe löſen, und das Leben dann mit neuer

Liebe und mit neuen Hoffnungen an ſie herantreten könne, daß nach dieſer erſten S eehe Theilen, wenn der Eine von ess krer e 1

vielleicht eine zweite Ehe möglich ſei. Ihrer Liebe, ihrem treuen He

» Karoline Pichler: Denkwürdigkeiten Th. I. S. 2.

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