Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Kaiser Joseph und Maria Theresia : 3. Band (1857)
Entstehung
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durch ihre Züge hin, denn die Augen der Leiche waren geſchloſſen! Die warme, geduldige Hand der Gattin hatte vermocht, was keine an⸗ dere zu Stande gebracht! Die Augen der Leiche waren geſchloſſen. Treu und gehorſam ſelbſt noch im Tode hatte der todte Kaiſer die Bitte der Kaiſerin erfüllt und ſeine Augen der Erde geſchloſſen.

Oh ſchau hierher, Charlotte, rief die Kaiſerin freudenvoll, ſchau, wie mein Kaiſer mich liebt! Nein, er iſt mir nimmer geſtorben, ſeine Ohren hören mich noch, und ſeine Augen ſehen mich, und was ich ihn bitte, das thut er! Nur daß er ſo weit, weit von mir fern iſt, nur daß ich ihn nit mehr ſehen kann! Aber ich will nicht mehr klagen und jammern, will mich vertröſten auf den Tag, da ich wieder bei ihm ſein werde, da er mich in ſeine Arme nimmt, und ſeine Seligkeit mit mir theilt, wie er auf Erden manch' Unſeliges mit mir getheilt hat! auf Wiederſehen, mein Franzel, auf frohes Wiederſehen!

Sie grüßte ihn noch einmal mit frohem Nicken ihres Haupies und mit leuchtenden Augen, dann wandte ſie ſich um und nahm das Leichentuch von ihren Schultern, und breitete es ſanft über den Sarg aus und ſtrich ſorgſam jede Falte weg, daß das Leinen gleichmäßig und faſt wie auf einem Ruhelager dalag.

Jetzt ruf mir die beiden Diener, befahl die Kaiſerin, und als ſie auf den leiſen Ruf Charlottens eintraten, winkte die Kaiſerin ſie näher zu ſich heran.

Helft mir den Kaiſer in ſein Ruhebett da tragen, befahl ſie. Ihr nehmt die Füße und den Leib, ich nehme ſein Haupt!

Und mit ihren ſtarken, nervigten Armen den Leib des Kaiſers umſchlingend, hob ſie ihn ſorgſam und zärtlich, wie eine Mutter ihr ſchlummerndes Kind aufrichtet, empor, und trug die Leiche mit Hülfe der beiden Diener in den Sarg. Dann winkte ſie ihnen wieder hinaus zu gehen, und hüllte mit geſchäftiger Sorgfalt die erſtarrte Geſtalt in das weite Leichentuch ein, als wolle ſie ſie ſchützen gegen jede rauhe Berührung der Luft und der Kälte.

Und nun, Charlotte, ſagte ſie dann, nun komm hierher mit Deiner

Scheere!

Und was befehlen Ew. Majeſtät, das ich thun fall⸗ fragte die