dem Lager hin, auf welchem der todte Kaiſer ruhte. Wie ſie ihn an⸗ ſchaute, ihn, der für ſie immer nur ein Lächeln, ein Wort der Liebe gehabt, und jetzt ſo ehern kalt, ſo marmorernſt mit ſeinen glanzloſen weitgeöffneten Augen, die man vergeblich ſich bemüht hatte zu ſchließen, ſie anſtarrte, da drang ein wilder qualvoller Schrei des Entſetzens aus ihrer Bruſt hervor und ſie ſchlug die Hände vor ihr Antlitz, welches bleich geworden war, wie das des Todten. r
Aber bald ließ ſie die Hände wieder niedergleiten, und legte ſie ſanft auf die geöffneten Augen der Leiche, über welche ſie ſich nieder⸗ beugte, und ſie lange und mit zärtlichen Liebesblicken anſchaute.
Schließ Dente Augen, mein Franzel, flüſterte ſie leiſe, ſchließ Deine Augen, die mich doch nimmermehr anſchauen wollen und die ſo kalt und ſtarr ſind, wie ich ſie niemals geſehen. Haſt ſie jetzt aufgethan da droben in einer ſchönern und beſſern Welt, wo Du die Herrlichkeit Gottes und der Welten ſchaueſt. Aber blick' auch zu mir hernieder, mein
Kaiſer und mein Geliebter, und ſieh' wie Dein armes Weib Dich liebt
und ſo gern, ach ſo gern bei Dir ſein möcht'. Vergiß mich nit da droben im Himmel, mein geliebter Franzel, ſondern bleib allezeit bei mix, wie mein Herz allezeit bei Dir bleiben wird. Habe Dich geliebt a ſgind, als Mädchen und als Frau, werde Dich noch lieben als Matrone und als Greiſin. Sollſt immerdar wohnen in meinem Her⸗ zen, und von keinem andern Bild und von keiner andern Liebe ver⸗ drängt werden. Hab' bis hierher gelebt mit meiner erſten und einzigen Liebe, will auch ferner mit ihr leben, und mit ihr ſterben! Kein An⸗ derer ſoll den Platz in meinem Herzen einnehmen, den Du eingenom⸗ men haſt, kein anderer Mann ſoll jemals die Worte der Liebe von mir vernehmen, die meine Lippen nur für Dich geſprochen haben! Das ſchwöre ich Dir, mein Franzel! War Dir treu als Braut und als Gattin, will Dir auch treu bleiben als Wittwe!— Und jetzt lebewohl, mein Geliebter, Lebewohl! Ich hab mich Dir gelobt für alle Ewigkeit, und jetzt geb' ich Dir den letzten Brautkuß unſerer Liebe.
Sie neigte ſich tiefer und küßte die ſtarren Lippen des Kaiſers, und legte einen Moment ihr Haupt auf ſeine eherne, ſeufzerloſe Bruſt. Dann richtete ſie ſich wieder empor und zog ſanft ihre Hand von den Angen des Todten fort. Nun flog es wie ein ſtolzes, glückliches Lächeln


