irgend eine von dem Lichtſchein getroffene Vergoldung der Säle hervor, oder gab ein Spiegel, an dem ſie vorüberſchritten, wie eine Viſion das raſch vorübergleitende Bild der beiden Wandelnden zurück, bis die Schwärze der Nacht hinter ihnen wieder Alles bedeckte und verhüllte.
Jetzt ſtanden ſie vor einer Thür, die nur angelehnt war, und durch deren Fugen det Schimmer von Licht ihnen entgegen leuchtete.
Wir ſind zur Stelle, ſagte die Kaiſerin, ſtill ſtehend, und ſich einen Moment ganz erſchöpft an die Thür lehnend. Jetzt tritt leiſe auf, Charlotte, halt Deinen Athem an, und hüte Dich wohl ein Ge⸗ räuſch zu machen, denn drinnen ſchläft der Kaiſer.
Sie öffnete mit einem raſchen Griff die Thür und trat ein, aber dann, gleichſam überwältigt von dem furchtbaren, ſchauerlichen Anblick, der ſich ihr darbot, that ſie einen Schritt rückwärts, und ein Zittern durchbebte ihre ganze Geſtalt.
Dort drüben auf dem Feldbett dieſe lange, weiße Geſtalt, dieſes bewegungsloſe, ſtarre Etwas mit der gelben, wächſernen Menſchenmaske, das war ihr Gemahl geweſen, der Mann, den allein auf Erden ſie ge⸗ liebt! Und dieſe ſchwarze, offene, ſchauerliche Truhe, die da, inmitten der hohen Wachskerzen, auf dem ſchwarzen Sammetteppich ſtand, das war das letzte Ruhebett des Kaiſers, vor dem geſtern noch ſich Tauſende gebeugt, und vor dem man heute ſo wenig Ehrfurcht nöthig hatte, daß die Wächter furchtlos neben ſeiner Leiche eingeſchlafen waren.
Aber Maria Thereſia's ſtarke Seele überwand bald den Schauder, der ſie überſchlichen hatte. Mit feſten Schritten ging ſie durch das Gemach, gerade zu den ſchlafenden Kammerdienern hin.
Wie ſie leicht mit ihrer Hand die Schulter des Einen berührte, ſchrak er empor und ſtarrte entſetzt in das Antlitz der vor ihm ſtehen⸗ den Kaiſerin.
Wecke Deinen Kameraden, und geht hinaus, ſagte die Kaiſerin gebieteriſch. Bleibt im Vorzimmer, bis ich Euch rufen werde!
Schweigend gehorchten die Beiden dem Befehl der Kaiſerin und ſchli⸗ chen hinaus, die Thür leiſe hinter ſich in das Schloß drückend. Neben die⸗ ſer Thür lag Charlotte von Hieronymus auf ihren Knieen und betete.— Die Kaiſerin ſtand einen Moment noch in ſich erſchauernd und erzit⸗ ternd in der Mitte des Gemaches, dann eilte ſie raſcher vorwärts zu


