den
5
einſam wird hinfort mein Leben ſein, da mein einzig Geliebter nicht mehr an meiner Seite iſt!
Ja, es iſt wahr, rief die Gräfin Daun, Ew. Majeſtät iſt ein Muſter ehelicher Treue und Liebe geweſen! Ihre Treue hat ſich ſelbſt durch ſchlechten Lohn nicht irre machen laſſen, und Ihre Liebe iſt ſich immer
gleich geblieben trotz Anderer Treubruch und Undankbarkeit.
Die Kaiſerin ſchaute mit einem ſchnellen, zornigen Blick von ihrer Arbeit empor. Ich verſtehe Sie nicht, Frau Gräfin Daun, ſagte ſie mit ſtolzem Ernſt. Weiß nicht, von was für Treubruch und Undank⸗ barkeit Sie ſprechen will. Das aber gebiet' ich Euch Allen, daß Ihr müßiges Geſchwätz, mit welchem ſich die neugierige und boshafte Welt ergötzt, nicht weiter tragen ſollt, und alle kleinen und mißgünſtigen Ge⸗ ſchichten, wie ſie an jedem Hof und aus der Umgebung jedes Fürſten erzählt werden, in den Mauern des Palaſtes verklingen und keine Sylbe davon hinaustönen laßt unter die Menſchen! Fehler hat jeder vom Weib Geborener, aber edel und groß vor allen Andern war mein Kaiſer, und ſchön und treu und herzinniglich hat er mich geliebt ſein ganzes Leben lang!
Sie neigte ſich tiefer auf ihre Arbeit und nähte emſig weiter. Keine der Frauen wagte es, die Stille zu unterbrechen; Aller Blicke waren mit innigem Mitgefühl auf die Kaiſerin gerichtet, welche da in ihren ſchwarzen Trauergewändern in der Mitte des von hohen Wachs⸗ kerzen erleuchteten Gemaches ſaß, und an dem Leichentuch des Kai⸗ ſers nähete.
Eine tiefe Stille trat ein, nur zuweilen unterbrochen von den Seufzern, die wie unterdrücktes Schluchzen ſich aus dem Buſen der Kaiſerin emporrangen. 82
Endlich nach ſtundenlanger, raſtloſer Arbeit war das Werk voll⸗ endet, und die Kaiſerin erhob ſich von ihrem Lehnſeſſel.
Mit einem matten, traurigen Lächeln hob ſie das Leinentuch empor und warf es über ihr Haupt, daß es wie ein großer dichter Schleier über ihre hohe, mäjeſtätiſche Geſtalt niederfloß.
Mein Wittwenſchleier! ſagte ſie, ſich ſelbſt darin einhüllend. Ja,
ſein Leichentuch iſt mein ewiger Wittwenſchleier. Will ihn erſt wärmen
an meinem Leibe, damit er warm und lind meines Franzen kalte Bruſt


