Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Kaiser Joseph und Maria Theresia : 3. Band (1857)
Entstehung
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ein Gegenſtand des Geredes und des Mitleids werde; mag auch nicht Prunk treiben mit meinem Kummer und mir Lob damit ernten von den gleichgültigen Lippen der Menſchen. In dem einfältiglichen Schmerz meiner Seele thue ich, was mein Herz mir gebietet, nicht aber um groß zu thun vor den Leuten. Wenn der Mann todt iſt, ſo iſt ſeine Frau eine Wittwe, welche das Recht hat, um ihn zu trauern, ſei ſie eine Kaiſerin, oder eine Bettlerin. Ach, und ich bin jetzt arm und kummervoll wie eine Bettlerin, hab' ja das Liebſte und Schönſte verloren, was ich auf Erden beſeſſen. Hab' meine Lebensfreude und mein Glück hingeben müſſen an den kalten, grauſamen Tod! Hab'

Maria Thereſia verſtummte, lautes Schluchzen drang aus ihrer Bruſt hervor, und nicht länger im Stande, ihre Thränen zurück zu halten, verbarg ſie ihr Antlitz in dem Linnentuch, an dem ſie arbeitete, und weinte laut.

Um Gottes Barmherzigkeit, Majeſtät, laſſen Sie nicht Ihre Thrä⸗ nen auf das Leichentuch fallen, rief die Gräfin Thun, indem ſie es wagte, mit ſanfter Gewalt das Tuch von dem Antlitz der Kaiſerin fortzuziehen. Es iſt nicht gut, das, was man in den Sarg legt, mit ſeinen Thränen zu benetzen, denn das giebt dem Todten, ſagt man, ein Recht auf den, der dieſe Thränen vergoſſen, und er zieht ihn nach.

Wollt', Du ſprächſt die Wahrheit, ſagte die Kaiſerin, welche ihre Augen getrocknet hatte und wieder zu arbeiten begann. Wollt', der Franzel holt mich zu ſich in ſeine Arm' und ich dürft ausruhen an ſeiner Seiten von der Trübſal und Beſchwerde dieſes Lebens. Werde ja doch nimmer wieder froh werden, denn ich hab' in meinem Gemahl den zärtlichſten Freund meiner Jugend, den liebſten Gefährten meiner dreißigjährigen Ehe und meine ganze Lebensfreude verloren. In den erſten ſchweren zwanzig Jahren meiner Regierung minderte er meine Leiden und Sorgen, indem er⸗ſie theilte, in den letzten zehn Jahren erhöhete er mein Glück, indem er es theilte!*) Wenn ich ihn anſchaute, fühlte ſich mein Herz erquickt, und alle Träume und alle Luſt meiner Jugend leuchteten mir aus ſeinen Augen wieder auf. Treu haben wir zu einander gehalten in herzlicher Liebe und Eintracht, und kalt und

**) Maria Thereſia's eigene Worte. Siehe: Vie de Marie Thérese. Vol. 1I.