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Als Frau waltete ſie jetzt in ihrem Gemach, als Frau wollte ſie dem einzigen Mann, den ſie geliebt, die letzte Ehre erweiſen! Sie, deren Hände ſonſt nur gewohnt waren, das Scepter zu führen, und ihre Namensunterſchrift unter Geſetze und Acten zu ſchreiben, ſie hielt jetzt zwiſchen ihren Fingern eine Nähnadel, und geſchäftig zog ſie die Nadel auf und ab durch das weiße feine Leinenzeug, das auf ihrem Schooße ruhte.
Maria Thereſia, die Kaiſerin von Oeſterreich, war in dieſer Stunde nur eine trauernde Wittwe, und für den Mann, den ſie geliebt, nähete ſie das Leichentuch.*)
Um ſie her ſaßen ihre vertrauten Kammerfrauen und Dienerinnen, aber Maria Thereſia erlaubte ihnen nicht, ihr Hülfe zu leiſten bei ih⸗ rem Werk. Nur die Nadeln durften ſie ihr mit neuen Fäden verſehen und ſie ihr darreichen, wenn der Faden ihrer Nadel aufgearbeitet war, aber ihre Bitten, helfen zu dürfen bei der Arbeit, wehrte die Kaiſerin faſt mit Strenge zurück.
Keine von Euch iſt es werth, an dieſer heiligen Arbeit mir zu helfen, ſagte ſie, denn Keine von Euch hat ihn geliebt. Er war für Euch Alle nur der gnädige Herr, der allzeit hülfreiche Kaiſer, aber für mich war er das Glück, die Freude und die Luſt meines Lebens. Ich allein habe ihn geliebt, und darum habe auch ich allein das Recht, ihm ſein Leichentuch zu nähen und ihn einzuhüllen in ſein letztes Erdenkleid!
Oh, Majeſtät, könnte doch Ihr ganzes Volk ſehen, was wir jetzt ſehen, rief die Gräfin Thun, mit Thränen der Rührung auf die emſig nähende Kaiſerin blickend. Könnte die ganze Welt Zeuge ſein, wie die große, erhabene Maria Thereſia in der Stille der Nacht hier ſitzt, und für den Gemahl das Leichentuch näht!
Die Kaiſerin hob mit einer ſchnellen Bewegung ihr Haupt empor, und ihre Augen flammten einen Moment mit dem gewohnten Feuerblitz.
Ich verbiete Euch Allen, von dieſer meiner Arbeit hier zu erzählen, ſagte ſie gebieteriſch. Ich befehle Euch, Jedermann zu verſchweigen,
was Ihr in dieſer Nacht mich thun ſeht. Will nicht, daß mein Schmerz n um meinen großen und geliebten Kaiſer den müßigen, neugierigen Leuten
6. 1 5 4 *) Coxe: history of Austria, Vol. V. 187
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