Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Kaiser Joseph und Maria Theresia : 3. Band (1857)
Entstehung
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ten, die in der Fenſterniſche ſtanden. Der Tod hatte das Ceremoniell aufgehoben, und in Gegenwart des todten Kaiſers durften die wache⸗ haltenden Kammerdiener des Kaiſers ſich immerhin ſetzen und ein⸗ ſchlafen. Niemand wird ſie heut in dieſem Schlummer ſtören, denn morgen erſt ſoll das Leichenceremoniell beginnen, morgen beginnt der Prunk der Trauerfeierlichkeit, morgen wird der todte Kaiſer in den Sarg gelegt, der da, unweit von ſeinem Lager, in der Mitte des Zimmers ſteht, das letzte Lager des für immer Entſchlummerten. Mor gen wird man dem todten Kaiſer die letzten Ehren erweiſen! Aber dieſe Nacht noch bleibt das Ceremoniell und die Etiquette fern von dieſem Gemach des Todes. So hat es Maria Thereſia angeordnet, Maria Thereſia, die trauernde Wittwe des Kaiſers!

Tiefe Stille herrſchte im Kaiſerſchloß zu Insbruck. Jedermann war zur Ruhe gegangen, um nach den vielen Aufregungen und Er ſchütterungen des Tages ſich vom Schlaf ein wenig Vergeſſenheit und Erquickung zu erflehen. Selbſt die Söhne und Töchter des todten Kaiſers hatten ihres Grams vergeſſen und waren eingeſchlummert: die Thränen um den geliebten Vater waren auf ihren jugendfriſchen Wangen getrocknet, die Seufzer und Klagen waren auf ihren Lippen verſtummt. Nur Maria Thereſia ſchlummerte nicht. Nur in ihre vom Weinen gerötheten Augen kam kein Schlaf, und in den Gemächern

der Kaiſerin allein war man wach geblieben, trotz der hereinbrechenden

Nacht, trotz der furchtbaren Erſchütterungen des verfloſſenen Tages. Maria Thereſia hatte keine Zeit zum Schlafen und zum Ruhen, keine Zeit, um ihres Grams zu vergeſſen! Sie hatte den Tag über viel geweint, ſie hatte ſich viele Stunden lang dem verzweiflungsvollſten Schmerz, dem tiefſten Jammergefühl überlaſſen, ſelbſt das Gebet hatte ihr keinen Troſt gewährt und ihre ſtürmiſche Verzweiflung nicht zu ſänftigen vermocht. Jetzt aber war ſie ruhig, hatte ſie ihren Thränen geboten, rückwärts zu fließen in ihr Herz, und nicht mehr hervorzuquel⸗ len aus ihren Augen! Jetzt hatte ſie keine Zeit mehr, um ihren Ge⸗ mahl zu weinen, jetzt bedurfte ſie ihrer Augen, um für ihn zu arbeiten! Der Tod hatte alle Etiquette und alles Ceremoniell aufgehoben, und Maria Thereſia war zu dieſer Stunde nicht die r ſondern die trauernde Frau, die Wittwe eines heißgeli

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annes!

Kaiſerin,

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