dem todten Kaiſer als zwei Todtenwächter, die, ſchläfrig mit dem Kopfe nickend, ſich auf den zwei großen Lehnſtühlen niedergelaſſen hat⸗
1 Die Kaiſerin-Wittwe.
Verhallt war der Klang der Jubelhymnen und der Freude, wel⸗ cher drei Tage lang das Kaiſerſchloß, die Straßen und Plätze von Insbruck durchrauſchte! Ueberall hatte man ſich beeilt, die Symbole der Freude, die Blumen und Fahnen, die Triumphbogen und Arkaden
zu beſeitigen, und nach allen Seiten hin waren die Fremden geflohen,
welche vor wenigen Tagen zu vielen Tauſenden nach Insbruck gekom⸗ men, um einem glänzenden Hochzeitsfeſt beizuwohnen. Das Hochzeits⸗ feſt hatte mit einem Todtenfeſt geendet, die Jubelhymnen der Freude waren übergegangen in die Trauerhymnen des Schmerzes!
Die Säle des Kaiſerſchloſſes in Insbruck waren verödet und leer, die Klänge der Luſt, welche geſtern noch dieſe weiten Räume durchhallten, waren verſtummt. Die Nacht war hereingebrochen, die erſte Nacht ſeit dem Tode des Kaiſers! Er lag noch immer auf ſeinem Feldbett da, ſo wie der Tod ihn getroffen, nur war der Glanz ſeiner Kleider, der Prunk ſeiner irdiſchen Hoheit von ihm genommen, und der, welcher geſtern noch im ſpaniſchen Gallagewande, geſchmückt mit dem brillantfunkelnden Orden des goldenen Vließes, als Kaiſer von Ehrfurcht umgeben durch die Säle dahingegangen, lag jetzt im weißen Leichenhemd als Leiche in dem ein ſamen, todesſtillen Gemach.— Niemand war bei ihm, die Kammerherrn und Kammerdiener, die Lakeyen und Hofſchranzen hatten nichts mehr zu thun in dieſem öden, ſchauerlichen Raum, in welchem geſtern noch ein Kaiſer erwachte, und heute eine kalte, ſtarre Leiche ihren letzten Todesſchlaf hält. Niemand war bei
Kaiſer Joſepb. 1. Abth. III.
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