187 te nicht erfüllen, denn ich habe andere Pläne mit Dir vor. Ich habe in keinen Ehrgeiz für Deine Perſon, aber ich habe Ehrgeiz für mein Haus, der Tochter des Herzogs von Parma darf und will ich es nicht ge⸗ n⸗ ſtatten, als Nonne zu ſterben. Ein anderes Geſchick iſt ihr vorbehalten. Eine große europäiſche Macht hat bei mir angefragt, ob ich ihr für den n, Sohn und künftigen Thronerben die Hand meiner Tochter bewilligen wolle, und ich habe beſchloſſen dieſe Frage zu bejahen. ⸗ Aber das Schickſal wird dieſe Frage verneinen. Das Schickſal
wird erbarmungsvoller ſeint, als Sie, mein Vater. Ich ſage Ihnen, ich habe nur noch kurze Zeit zu leben, in wenig mehr als einem Monat e werde ich ſterben.
So ſtirb! rief er rauh, aber ſtirb unter dem Purpur und nicht im — Bußgewande. Ich verſage Dir meine Einwilligung! Du ſollſt nicht in ein Kloſter gehen!
Niemand auf Erden hat das Recht, ein Herz, das ſich Gott ge⸗ lobt, ihm entreißen zu wollen, ſagte ſie erglühend. Wenn Ew. Hoheit mir Ihre Einwilligung verſagen, ſo werde ich zu Gott flüchten auch ohne Ihre Erlaubniß. Und ſo mächtig Ihre Hand auch iſt, Sie wer⸗. den doch nicht die Macht haben, die Braut des Herrn von dem Altar ₰ fortzureißen!/
Ah, Du wagſt es, mir zu drohen! rief der Herzog ingrimmig. Du gedenkſt Dich aufzulehnen gegen meine väterliche Autorität. Wiſſe aber, daß ich alsdann Dich ſtrafen würde, wie es Dein Verbrechen verdient, als Hochverrätherin, deren Haupt auf dem SchafoFotte fällt!
Ich fürchte den Tod nicht, ſondern ich hoffe auf ihn! ſagte ſie mit einem traurigen Lächeln.
Ah, es iſt wahr, Du haſt dieſe ſchwärmeriſche Mädchenphantaſie, 1 ſterben zu wollen. Aber höre, was ich Dir jetzt noch zu ſagen habe! Merke wohl auf! Ich will Dir eine Geſchichte erzählen, welche geſchehen iſt,— während Du krank warſt.— Der Sohn einer der älteſten und edelſten Familien dieſes Landes, der einzige Sohn ſeiner alten Eltern und die Stütze ſeiner noch unvermählten Schweſter, hatte ſich, ſeiner Pflicht, ſeiner Ehre und den Geſetzen zum Trotz, in ein— Complott eingelaſſen, er hatte ein Verbrechen begangen, das gleich iſt mit dem Vatermord,— er war ein Verräther an ſeinem Landesherrn geworden.


