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bei ihr geblieben, als ihre Geſpielinnen, ihre Freundinnen, als lebens⸗ voller Gruß des ſchönen, verſchwundenen Vaterlandes, und nur um der Form und der Etiquette zu genügen, hatte man ſie zu Hofdamen und Camerieren der Prinzeſſin ernannt. Mit dieſen Freundinnen allein war es ihr noch vergönnt geweſen, die ſtolze ſchöne Sprache der Hei⸗ math zu reden, mit ihnen allein durfte ſie ihre ſpaniſchen Lieder ſingen, ihre ſpaniſchen Tänze tanzen, die Verſe der großen ſpaniſchen Dichter recitiren. Mit ihren Freundinnen allein durfte ſie Spanierin ſein, wie ſie mit ihrem Bruder Ferdinand und ihrer erſten Hofdame allein Fran⸗ zöſin ſein durfte. Denn mit dem ſpaniſchen Blut in ihren Adern ver⸗ miſchte ſich das franzöſiſche Blut ihrer Mutter, der Prinzeſſin von Frankreich, der Tochter Ludwigs des Funfzehnten, und verlieh der dunklen glühenden Tochter des Südens die leichte Grazie, die feſſelnde Anmuth, das heitere Lächeln der Franzöſin. So lange ihre ſchöne und geiſtvolle Mutter noch lebte, hatte der Hof ihres Gemahls mehr ein franzöſiſches Colorit getragen, die ſteife Grandezza war aus den Salons der Her⸗ zogin verbannt geweſen, der franzöſiſche Esprit, der franzöſiſche Witz, die franzöſiſche Grazie hatten in denſelben geherrſcht, und nur an den großen Gallatagen hatte die Herzogin ſich der ſteifen und ernſten Eti⸗ quette Spaniens unterworfen. Aber ſeit einigen Jahren war Iſabella von Parma dieſer ihrer edelſten und geliebteſten Freundin beraubt, hatte ſie dem Tod ihr ſchönſtes und heiligſtes Erdengut, ihre Mutter, dahin geben müſſen, und ſeit Eliſabeth von Frankreich in die herzogliche Gruft hinab geſenkt worden, war auch das franzöſiſche Weſen und die fran⸗ zöſiſche Sprache am Hofe des Herzogs von Parma verſtummt. Der Herzog hätte ſeine Gemahlin ſo ſehr geliebt, flüſterten die Hofleute, daß jede Erinnerung an ſie ſeinen Schmerz um ſie erneuere, und des⸗ halb habe er das ſtrenge Verbot erlaſſen, daß im herzoglichen Pallaſt nie mehr die franzöſiſche Sprache geſprochen werden ſolle. Der Herzog hätte ſeine Gemahlin ſo wenig geliebt, flüſterten Diejenigen, welche dem Hofe ferner ſtanden, er habe ſie ſo oft gekränkt, ſo viel gemartert und gequält mit ſeiner italieniſchen Eiferſucht und ſeiner ſpaniſchen Grandezza, daß ſie endlich geſtorben ſei vor Gram, und deshalb ſei jede Erinnerung an ſie ihm wie ein bitterer Vorwurf, und deshalb ſei die franzöſiſche Sprache von ſeinem Hofe verbannt. Aber ihre Kinder


