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zu dem Bilde der heiligen Jungfrau, und ihre Lippen flüſterten leiſe Gebete, die Niemand außer Gott verſtand.
Als ſie ihr Gebet vollendet, richtete ſie ſich langſam von ihrem Lager empor und ſtrich mit ihrer ſchmalen weißen Hand die ſchwarzeu Locken von ihren Wangen zurück.
Ich will mich ankleiden, ſagte ſie, und ſofort eilten die Camerieren herbei, um ihrer jungen Herrin behülflich zu ſein.— Dieſe Morgen⸗ toilettenſtunde der Prinzeſſin war ſonſt für ihre Dienerinnen die ſchönſte und lieblichſte des ganzen Tages geweſen. Da hatte Jſabella mit ihnen geſchwatzt und getändelt, gelacht und geſungen, da hatte ſie ſich erlaubt das junge, unbefangene Mädchen zu ſein, die mit ſtrahlenden Augen dem Tage entgegen ſchaut, mit einem Lächeln auf den roſigen Lippen jede Stunde begrüßt. Bei der Morgentoilette war aller Zwang und alles Ceremoniell, war die ſpaniſche Etiquette aus dieſem Zimmer ver⸗ bannt geweſen, und erſt, wenn Jſabella die Schwelle deſſelben über⸗ ſchritten, hatte ſie ſich wieder ihren Geſetzen untergeordnet und war wieder die Prinzeſſin geworden.
Wie ſchön, wie köſtlich waren dieſe Stunden geweſen, wie liebrei⸗ zend war Iſabella ihren jugendlichen Freundinnen und Geſpielinnen er⸗ ſchienen, wenn ſie mit ihnen im leichten weißen Morgengewande, das ihre ſchöne zarte und doch üppige Geſtalt loſe umflatterte, die ſchönen Tänze ihres erſten Vaterlandes, des glühenden ſtolzen Spaniens, tanzte. In Spanien hatte ſie die erſten Tage ihrer Kindheit verlebt, denn da⸗ mals war ihr Vater noch nicht Herzog von Parma, ſondern nur In⸗ fant von Spanien, nur der Sohn ſeines Vaters, des Königs Philipp des Fünften von Spanien geweſen. Aber die Wechſelfälle des Glücks und der Schlachten, welche Neapel und Parma von Oeſterreich losgelöſt, hatten den beiden Söhnen Philipps Throne gegeben. Sein älterer Sohn, Don Carlos, war König von Neapel, ſein jüngerer Sohn, Don Philipp, war ſeit dem Aachener Frieden von 1748 Herzog von Parma und Piacenza geworden. Iſabella, damals ein Kind von ſieben Jahren, hatte mit ihren Eltern und dem Hofe Spanien, das Land des Sonnen⸗ ſcheins, der Lieder, der Tänze und der Schönheit verlaſſen müſſen, aber man hatte ihr erlaubt, ihre Spielgefährtinnen, die Töchter vornehmer, aber armer ſpaniſcher Grands, mitzunehmen nach Parma. Sieswaren


