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Warten, ja ich werde ſie wecken! Es iſt faſt ſchon die Stunde, in welcher die Prinzeſſin zum Herzog zu gehen pflegt, und Se. königliche Hoheit würden ſehr ungehalten darüber ſein, wenn die Prinzeſſin ſich eine Unregelmäßigkeit zu Schulden kommen ließe. Folgen Sie mir alſo, meine Damen. Es iſt Zeit, die Prinzeſſin anzukleiden!
Sie öffnete leiſe die Thür zu dem Schlafzimmer der Prinzeſſin und trat, gefolgt von den vier Kammerdamen, in das Gemach ein.
Sie ſchläft noch! flüſterte die Oberhofmeiſterin, die Vorhänge ſind noch geſchloſſen. Aber ich muß ſie wecken, es iſt meine Pflicht!
Und ſie näherte ſich entſchloſſen dem von ſchweren roſenfarbenen Seidenvorhängen umgebenen Lager der Prinzeſſin. Vorſichtig ſchlug ſie die Vorhänge auseinander, indem ſie leiſe flüſterte: Hoheit verzeihen, daß ich—
Plötzlich verſtummte ſie, denn zu ihrer größten Ueberraſchung fand ſie, daß die Prinzeſſin nicht ſchlief. Sie lag da in dem langen weißen Nachtgewand, das über dem Buſen und an den Händen mit röthlichen Schleifen geſchloſſen war. Ihre Hände ruhten gefaltet auf ihrer Bruſt, ihr Haupt lag ſanft zurückgelehnt auf den ſeidenen Kiſſen, deren roſige Farbe wunderbar kontraſtirte zu der Bläſſe ihrer Wangen, und zu den ſchwarzen Locken, die in vollen Garben ihr ovales, zartgeſchrüttenes Antlitz umringelten! Ihre Augen, dieſe großen glühenden ſpaniſchen Augen, waren weit geöffnet, und blickten mit einem ſtarren Ausdruck empor zu dem Bilde der heiligen Jungfrau, das am Plafond ihres Himmelbettes angebracht war. Langſam nur und widerſtrebend wandte die Prinzeſſin jetzt ihre Augen auf die Oberhofmeiſterin, die noch im⸗ mer mit erhobenem Arm den Vorhang geöffnet hielt, während die Kammerfrauen, weiter rückwärts ſtehend, mit neugierigen Blicken hinüber ſchauten zu dem roſigen Lager, auf dem die bleiche, ſtille Fürſtin ruhte.
Hoheit mögen vergeben, daß ich zu ſtören wagte, erwiderte die Aja auf die Frage der Prinzeſſin, die ſie indeſſen nicht mit den Lippen, ſondern mit den Augen gethan. Es iſt ſchon ſpät am Morgen und—
Wie viel Uhr iſt es? fragte die Prinzeſſin.
Es iſt neun Uhr! 1
Die Prinzeſſin zuckte leicht zuſammen und ſagte mit lauter feier⸗ licher areume: alſo in drei Tagen erſt! Dann ſchaute ſie wieder empor


