Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Kaiser Joseph und Maria Theresia : 2. Band (1857)
Entstehung
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iſt es, die da über den Balcon ſich hinablehnt, ein zweiter Romeo iſt's, der da unten ſteht und ſeine Arme ſehnend emporſtreckt nach der Ge⸗ liebten hin. Worte der Liebe, der Sehnſucht, und Schwüre ewiger Treue ſteigen wie auf goldenen Schwingen hinauf und hinab, und küſſen dieſe Lippen, welche getrennt ſind, und dieſe Augen, welche einander nicht ſchauen.

Morgen alſo, meine Geliebte, morgen wirſt Du Mein für alle Ewigkeit?

Morgen, mein Geliebter! Dein bin ich ſchon für alle Ewigkeit, aber Dein will ich auch ſein hienieden vor aller Welt!

Und Du wirſt's nimmer bereuen! Du fühlſt Dich muthig und ſtark genug, der ganzen Welt zu trotzen?

Gehört denn Muth und Stärke dazu, die Hand auszuſtrecken nach ſeinem höchſten, ſchönſten Glück und es ſich zu Eigen machen? Oh, es iſt viel Eigennutz in meiner Liebe, und weil ich glücklich ſein will, ver⸗ geß ich die Gefahren, die Dich bedrohen, wenn Du mein Gemahl biſt!

Dich zu verlieren, Dich nicht Mein zu nennen, iſt die einzige Ge⸗ fahr, die ich fürchte! Ich kenne keine andere! 8

Und doch ſei vorſichtig und beſonnen, ſei's um meinetwillen. Be⸗ denke, mein Geliebter, wir ſind auf ſpaniſchem Boden, obwohl wir in Italien ſind, und die ſpaniſchen Dolche ſind ſcharf und treffen ſicher. Sei vorſichtig, verrathe mit keinem Blick und keinem Lächeln das ſüße Glück, das uns vereint. Nur wenige Tage hüte Deine Zunge, Deine Augen und Dein Herz. Nur ſo lange, bis wir fort von hier ſind, fort gezogen in das ſtille Aſyl, das unſere Liebe uns zum Paradieſe machen wird, und wo keines Rächers Arm uns finden kann. Bis dahin, Ge⸗ liebter, ſei beſonnen! Und, jetzt geh, ſieh nur, der Mond bricht hinter Wolken hervor, und wenn die Späher, die mich überall umlauern, Dich ſehen würden geh, geh! Denk' an die ſpaniſchen Dolche, geh!

Ich denk an morgen, Holde, und ſo kann ich gehen, denn morgen ſehe ich Dich wieder und Du wirſt auf immer Mein!

Auf immer Dein! Nun geh!

In der Kapelle erwarte ich Dich?

Ich komme ganz gewiß! Und der Prieſter, meinſt Du, wird uns nicht verrathen?

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