Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Kaiser Joseph und Maria Theresia : 2. Band (1857)
Entstehung
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da wandte ſich die Kaiſerin mit leuchtenden Augen zu ihrem Gemahl hin. Ich wollt' er würde krank, damit ich ihn pflegen könnt, ſagte ſie,

damit ich Nacht und Tag an ſeinem Bette ſitzen könnt'. Sollt's ſchon un fühlen müſſen, wie eine Mutter liebt, und wie ſie nimmer läßt von ihrem Kind! fm Und vielleicht hatte Gott ihre Worte gehört und wollte ihre Bitte erfüllen, damit dieſe zwei edlen und glühenden Herzen ſich nicht gegen⸗ mit einander verhärten, ſondern einander wiederfinden möchten in Liebe und innigſtem Verſtehen. it Ein heftiges Fieber feſſelte den Erzherzog einige Tage lang an St ſein Lager. Die Kaiſerin wich nicht von ſeiner Seite, in ihrem eigenen gt Wohnzimmer hatte ſie den Sohn betten laſſen, und mit zärtlichſter de Sorgfalt pflegte ſie ſein. h. So oft Joſeph, aus ſeinen Fieberträumen erwachend, die Augen ni aufſchlug, ſah er da neben ſich an ſeinem Bett die Kaiſerin ſitzen, welche mit liebevollen Blicken ihn anſchante, mit ihrem zärtlichſten Lächeln ihn 1 begrüßte. So oft er in ſeinem Fieberdurſt zu trinken begehrte, war 1 es ſeine Mutter, welche den kühlenden Trank an ſeine brennenden Lippen führte, ſo oft ſeine Stirn wie in verzehrenden Feuergluthen brannte, war es die Kaiſerin, welche ihre kühlende Hand darauf legte, und ihr 8 3 Sohn ſchaute dann ſtumm, aber mit feuchten Blicken zu ihr empor, 3 11 und lag ſtill und wie ſelig entzückt unter ihrem zärtlichen Anblicken, als 1 3 habe die mütterliche Hand, welche auf ſeiner Stirn ruhte, alle Schmerzen 3 33 gebannt, und alle Stürme ſeiner Seele ſchweigen gemacht. Auch als das Fieber gewichen war, als Joſeph ſich wieder von ſeinem Lager erheben konnte, duldete die Kaiſerin es nicht, daß er in 1 ſeine Gemächer zurückkehrte. So lange er noch Reconvalescent war, b ſollte er bei ihr bleiben, unter ihrer Obhut, ihrer Liebe. In ihrem 3 Zimmer ſollte er ſeine Geſundheit, ſeinen Frohſinn wieder finden, da 1 mußten denn die luſtigen Geſchwiſter ſich um ihn ſammeln, um ihn 4 8 zu erheitern mit ihren Scherzen und ihrem lachenden Frohſinn, da⸗ 1 * hin mußten ſeine Cavaliere und ſein vertrauteſter Freund, der Graf 5 Dominik von Kaunitz, kommen, um den Erzherzog zu zerſtreuen mit ihrer Unterhaltung. 4. Eines Tages aber, als Niemand außer dem Kaiſer und dem Grafeen 3 28

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