Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Kaiser Joseph und Maria Theresia : 2. Band (1857)
Entstehung
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den Ausdruck auf die Kaiſerin hin. Ew. Majeſtät haben es mir ver⸗ ſprochen, ſagte er ruhig und feſt, und ich weiß, daß Ew. Majeſtät noch niemals irgend einem Menſchen Ihr Wort gebrochen haben!

Ei, ſieh da, rief Maria Thereſia mit einem kurzen ſpöttiſchen Lachen, das ſieht ja faſt aus wie eine Drohung! Der junge Herr will's wohl verſuchen, mich bei meinem point d'honneur zu faſſen, und mich zu zwingen, ihm mein Wort zu halten?

Verzeihung, Majeſtät, ſagte Joſeph ruhig und feſt, ich habe mir gar nicht einen ſolchen beleidigenden Gedanken erlanbt, zu zweiſeln, daß Ew. Majeſtät mir Ihr Wort halten werden.

So erlaube ich es Ihm jetzt, zu zweifeln, Herr Sohn, rief die Kaiſerin, welcher die Worte des Erzherzogs als ein verſteckter Tadel erſchienen. Ja, ich erlaube Ihm zu zweifeln, daß ich Ihm mein Wort halte, denn mit dem bloßen Worthalten iſt's auch nicht gethan, und meine kaiſerliche Ehre wird durchaus nicht tangirt, wenn ich ein Verſprechen zurücknehme, dos ich meinem Sohn in der Uebereilung, und ohne recht zu überlegen, gegeben habe.

Wie, Majeſtät, rief der Kaiſer, Sie wollten wirklich Ihr Verſprechen zurücknehmen, Sie wollen das jetzt noch, nachdem alle Vorkehrungen getroffen ſind, nachdem alle Welt es weiß, daß der Joſeph zur Armee abgehen ſoll?

Was kümmert mich das Gerede der Welt, ſagte die Kaiſerin ſtolz und ſtrenge, was habe ich nach ihr zu fragen. Nur die Stimme Got⸗ tes und meines Gewiſſens leitet mich in allem meinem Wollen und Vollbringen, und ich folge eben nur Gott und meinem Gewiſſen, wenn ich jetzt mein Verſprechen zurücknehme, und den Erzherzog nicht zur Armee abgehen laſſe.

Joſeph ſtieß einen Schrei aus, und taumelte einen Schritt zurück. Das iſt nicht möglich, das kann nicht Ihr Ernſt ſein, Majeſtät, rief er ſchmerzvoll.

Und warum iſt das nicht möglich? fragte die Kaiſerin glühend.

Weil es grauſam und herzlos wäre, ſagte Joſeph ganz außer ſich, weil man dann mit meinen liebſten Wünſchen, meinen heiligſten und reinſten Hoffnungen ein übermüthiges und willkürliches Spiel getrieben, und weil ich nun und nimmermehr glauben kann, daß meine Frau Mutter ſo mein armes Herz verhöhuen wollte!

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