106
4
Pater mit frommem Händefalten. Weil aber Ew. Majeſtät ein zärt⸗ liches Mutterherz haben, thut es Ihnen weh den geliebten Sohn zu betrüben. Aber es iſt zu ſeinem Beſten, und gleich wie Gott geboten hat:„wenn Dich Dein Auge ärgert, ſo reiß es aus und wirf es von Dir,“ ſo auch müſſen Ew. Majeſtät dem geliebten Sohn das, was Gott ein Aergerniß iſt, aus der Seele reißen, und wenn auch ein wenig von ſeinem Herzblute dabei vergoſſen würde. Die Wunden, welche man um Gottes und der Tugend willen ſchlägt, ſind bald geheilt, denn der Segen Gottes ruht auf ihnen!
Er hatte ſich ſo ſehr darauf gefreut, Soldat zu werden, murmelte die Kaiſerin, indem ſie wieder haſtig auf und nieder ging, ſeine Augen blitzten ſo muthig und ſtolz wie ich ſie nie geſehen! Es iſt ein ſchöner Burſch und wenn ich ihn anſchaue, meine ich den Franzel ſeinen Vater zu ſehen, als wir noch junge Liebesleut waren! Glaub's wohl, der Lorbeerkranz würd' ihm prächtig ſtehen zu ſeinem friſchen Jünglings⸗ angeſicht, und zu den ſchönen blauen Augen, und ich denk, mein eigen Herz würd' höher und ſtolzer ſchlagen, wenn ich ihn heimkehren ſähe als Sieger mit einer ſchönen großen Narbe über die Wange. Aber nein, nein, es darf ja nicht ſein! Würde mir verwildern, und zu Schan⸗ den werden, der Joſeph! Hat überdies ſchon einen ſchlimmen Hang zum wilden Kriegerleben, verzeih mir's Gott, juſt wie unſers Ahnherrn Kaiſer Carl's des Fünften geliebter Sohn Don Juan von Oeſterreich. Der wollt' auch nichts wiſſen als Krieg und Kampf, und blieb auch auf dem Schlachtfeld! Nein, will ſolchen Kummer nicht erleben, ich will nicht meinen Erſtgebornen vor mir begraben wiſſen! Hab' ſchon vier Kinder abgegeben an die Kaiſergruft zu St. Stephan, und kann keins mehr miſſen! Nein, nein, der Joſeph darf nicht gehen! Nicht wahr, Füchſin, fuhr ſie fort, ſich lebhaft zu der Obriſthofmeiſterin hinwendend, der Erzherzog ſagte zu Ihr, er möcht nicht in die Meß gehen, wollt lieber recht viel Feinde niederſchmettern, vud das wäre Gott ein viel wohl⸗ gefälligeres Werk, als das Meßhören, as Beten und die ganze Litaney?
So ſagte er, Majeſtät, und meine Seele ſchaudert noch, wenn ich daran denke! rief d'ie Oberhofmeiſterin, ſich bekreuzigend.
Oh, wir woollen ihm dieſe böſen Gedinken austreiben, rief die Kaiſerin erglühennd, wollen ſeinen ſtarren Sin ſchon beugen, und ein


