103
einige Zeilen an die Kaiſerin, ſage ihr, daß Du Dich zu ſchwach fühlteſt, den d. Abſchied von ihr zu ertragen, daß Du es daher vorzögeſt, Dich heimlich von hier zu entfernen, und dem Trennungsweh zu entfliehen, daß Dut aber hoffteſt, ſie glücklich wieder zu ſehen, und einige erkämpfte Lorbeeren zu ihren Füßen niederlegen zu können.
Der Erzherzog ſtürzte zu ſeinem Schreibtiſch hin, und in athem⸗ loſer Haſt begann er zu ſchreiben. Der Kaiſer aber winkte den jungen Grafen Kaunitz, der bis dahin ſchweigend und in ehrfurchtsvoller Ent⸗ fernung dageſtanden, näher zu ſich heran.
Haben Sie einen guten Renner, den Sie meinem Sohn verkaufen können, und zwei treue Diener, die ihn ſo lange begleiten können, bis ſeine Equipage und ſein Militairgefolge ihm nachfolgen kann?
Ich kam hieher, Majeſtät, um dem Erzherzog einen ähnlichen Vor⸗ ſchlag zu machen, wie Ew. Majeſtät. Das beſte Pferd aus meines Vaters Marſtall ſteht ſchon vor dem Kärnthner Thor bereit, und meine beiden treuen Diener halten mit guten Rennern daneben.
Das beſte Pferd Ihres Herrn Vaters? Der Obriſthofkanzler weiß alſo auch von der Sache?
Er weiß darum, und wünſchte dem Erzherzog behüflich zu ſein. Er hat für den äußerſten Nothfall mir aufgetragen, dies letzte Mittel einer Flucht vorzuſchlagen.
Der Brief iſt fertig, ſagte der Erzherzog aufſtehend, und dem Kaiſer das beſchriebene Blatt darreichend.
Ich ſelbſt werde es der Kaiſerin geben, ich werde ihr ſagen, daß ich es war, der Dir zu dieſer Flucht gerathen.
Aber alsdann wird die Kaiſerin Ihnen zürnen, mein Vater.
Mein Sohn, ſagte der Kaiſer mit einem eigenthümlichen Lächeln, ich bin ſchon unter ſo manchem Gewitterſchauer dahin gegangen, und ich denke ich werde auch dieſen kleinen Sturm noch aushalten können. Die Kaiſerin beſitzt das beſte, ſchönſte und edelſte Herz, und wenn die finſtern Wolken ihres Zornes ausgedonnert haben, ſo ſcheint die Sonne ihrer Liebe wieder hell und klar. Geh alſo, mein Sohn, ich will'’s verantworten, was wir thun. Die Kaiſerin hat mir ja nicht geſagt,
daß es ihr Wille iſt, Dich zurückzuhalten. Sie betrachtet die Sache
als ein Regierungsgeſchäft, und Du weißt wohl, mit den Regierungs⸗


