Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Kaiser Joseph und Maria Theresia : 2. Band (1857)
Entstehung
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gekommen, daß der Sohn entfliehen muß vor ſeiner eigenen Mutter? Bin ich ein Verbrecher, der ſich nicht einmal vertheidigen, der nicht einmal erfahren darf, welcher Schuld man ihn anklagt? Nein, mein Vater, und mögen mich hier Tod oder ewiges Gefängniß bedrohen, ich entfliehe nicht!

Und in dem Falle würde ich es Dir auch nicht rathen, mein Bube, ſagte der Kaiſer ernſt. Aber es iſt hier nicht die Rede von einer Anklage, von Giftbechern und unterirdiſchen Burgverließen, ſondern ein⸗ fach davon, ob Du noch immer den Wunſch hegſt, zur Armee abzugehen, oder ob Du hier bleiben willſt?

Oh mein Vater, Sie wiſſen es wohl, daß es mein glühendſter Wunſch iſt, zur Armee zu gehen, daß es für mich ein bitterer Schmerz wäre hier bleiben zu müſſen.

Nun, wenn es ſo iſt, ſo höre! Es iſt ihnen gelungen, Dich bei

der Kaiſerin zu verdächtigen, Dich ihr als einen wilden Barbaren und nach Blut und Schlachten dürſtenden Kriegsknecht darzuſtellen, der durch das Lagerleben ganz und gar verwildern und zu Grunde gehen würde. Die Kaiſerin, in der Zärtlichkeit ihrer Mutterliebe, will Dich vor einer ſo entſetzlichen Zukunft ſchützen, und ſie hat deshalb beſchloſſen, ihre Er⸗ laubniß zurück zu nehmen, und Dich nicht zur Armee gehen zu laſſen.

Der Erzherzog Joſeph ſtieß einen dumpfen Seufzer aus, und ſeine Augen füllten ſich mit Thränen. Der Kaiſer ſah es, und legte ſeine Hand mitleidsvoll auf ſeines Sohnes Schulter.

Verzage noch nicht, mein Sohn, ſagte er, noch iſt vielleicht nicht alle Hoffnung verloren, und vielleicht gelingt es mir, Dir zu helfen. Ich kann Deinen Schmerz begreifen, und ihn Dir nachfühlen, denn ich habe gelitten, was Du leideſt. Wäre auch gern hinausgezogen in's Feld, ſtatt hier müßig zu ſitzen, und nichts zu ſein als der Gemahl der Kaiſerin, möchte mich auch einmal an die Spitze einer Armee ſtellen, und befehlen, nachdem ich ſo lange gehorſamt habe, aber die Kaiſerin— doch was nützt es von mir zu ſprechen, ich bin ein abſterbender Baum, aber Du biſt noch ein junges grünes Reis, und ich will nicht, daß ſie Dir den Sonnen⸗ ſchein und die Freiheit entziehen ſollen! Höre alſo! Noch weißt Du ja nichts von der geänderten Geſinnung der Kaiſerin, noch hat ſie Dir keinen Befehl zugehen laſſen! Komm alſo dieſem Befehl zuvor, entferne Dich jetzt ſchon, warte nicht das Morgen ab, ſondern brich ſogleich auf! Schreibe raſch