Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Kaiser Joseph und Maria Theresia : 2. Band (1857)
Entstehung
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der vorlegen können? rief Joſeph verzweiflungsvoll. Ich habe der Welt mein trauriges Geſicht gezeigt, als ich traurig war, ich zeige ihr jetzt mein heiteres Geſicht, weil mein Herz voll Freude iſt, und weil—

Ein raſches, heftiges Klopfen an der Thür unterbrach ihn, und ehe der Erzherzog Zeit hatte zu einem Herein! ward die Thür geöffnet, und der Kaiſer Franz erſchien auf der Schwelle. Sein Antlitz war erregt und ſorgenvoll, und aus den Blicken, welche er auf ſeinen Sohn heftete, ſprach eine tiefe Angſt und Sorge.

Mein Sohn, ſagte er haſtig, auf den Erzherzog zuſchreitend, ich kam hierher, weil ich Dich allein und ohne Zeugen zu ſprechen wünſchte, und weil das bekanntlich bei mir ganz unmöglich iſt.

Graf Dominik verneigte ſich ehrfurchtsvoll und ſtumm vor dem Kaiſer und eilte der Thür zu. Aber der Kaiſer ſelbſt hielt ihn zurück.

Nicht doch, ſagte er, bleiben Sie, junger Mann, denn vielleicht können Sie uns noch nützen! Ich weiß, Sie ſind des Erzherzogs treuer Freund, und Sie werden ihn, und— auch mich nicht verrathen. Aber es iſt nicht Zeit viele Worte zu machen! Alſo ſage mir raſch, Joſeph, haſt Du hier irgend eine geheime Thür, weißt Du in irgend einem Deiner Zimmer eine Oeffnung, ein Loch oder einen Kamin, der zu einem geheimen Corridor, einer geheimen Treppe führt, durch welche man aus dem Schloß kommen kann?

Ich, Majeſtät, ich ſollte hier eine geheime Thür haben, geheime Wege um das Schloß zu verlaſſen? rief der Erzherzog empört. Iſt das wieder eine neue Erfindung der frommen Väter, mit der ſie mich bei Ihrer Majeſtät verläumdet haben?

Stilll, ſtill, Joſeph! Hat der Bube nicht gerade das aufbrauſende Temperament ſeiner Frau Mutter. Es iſt hier aber gar nicht von den frommen Vätern die Rede, ſondern allein von Dir. Sag' alſo ohne Umſchweife, haſt Du einen geheimen Ausgang hier!

Einen geheimen Ausgang, und wozu ſollte ich den benutzen?

Der Kaiſer neigte ſich dicht an das Ohr ſeines Sohnes. Um zu entfliehen, flüſterte er, um in dieſer Stunde, dieſer Minute noch das Schloß zu verlaſſen, ein Roß zu beſteigen, und in ſchnellſtem Trabe aus Wien zu reiten!

Ich entfliehen, mein Vater? rief Joſeph unwillig. Iſt es alſo dahin