Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Kaiser Joseph und Maria Theresia : 2. Band (1857)
Entstehung
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den die Kaiſerin jedesmal am Altar findet, wenn ſie kommt, ihre An⸗ dacht zu verrichten. Oh er verſteht es, zu weinen, die Hände zu rin⸗ gen, die Augen zu verdrehen, zu ſeufzen und zu bereuen, und alſo hat die Kaiſerin ihm verziehen, und Porhammer führte den frommen Sün⸗ der zur Kaiſerin, damit er ſein Pater peccavi ſpreche und alsdann be⸗ gnadigt werde mit einer andern, wo möglich noch einträglicheren Stelle.*) Muß nicht das Herz jedes denkenden und fühlenden Menſchen empört ſein über ſolches Verhöhnen der erechtigkeit und der Geſetze? Schreien nicht ſolche Willkürthaten Himmel und fordern die Strafe und Rache Gottes herab?ꝛ

Das Alles iſt wahrz ſagte der Graf achſelzuckend, aber Ew. kai⸗ ſerliche Hoheit thaten denöbch Unrecht dem Pater zu drohen, denn er gehört, wie Sie wiſſen zu den einflußreichſten Perſonen, und er iſt von jeher Ihr Feind eweſen. Auch hat er nicht verfehlt, der Kaiſe⸗ rin Ihre Worten tederholen, und die Majeſtät iſt über Ihre An⸗ ſpielung auf Ihre einſtige Kaiſerwürde in höchſten Zorn gerathen.

Und woher weißt Du denn alles dies? fragte Joſeph erſtaunt.

Woher ich es weiß, Hoheit? Neigen Sie Ihr Ohr dicht zu mir her, noch dichter, und nun hören Sie! Mein Herr Vater hat mir das Alles erzählt.

Der Obriſthofkanzler ſelbſt?

Ja ſelbſt, und Sie wiſſen, wenn mein Vater, der ſonſt in allen Staatsſachen wie ein verſchloſſenes Buch iſt, wenn der ſpricht, ſo muß er ſehr ernſte und wichtige Beweggründe dazu haben. Nun denn, er hat mir dies Alles geſagt, als er vor einer Stunde von der Kaiſerin kam, die ihm alle dieſe Dinge erzählt hat, und um Ihnen die ganze Wahrheit zu ſagen: Er hat mich beauftragt, zu Ew. kaiſerlichen Hoheit zu gehen, und Sie zu warnen, auf Ihrer Hut zu ſein, und Alles zu vermeiden, was den Unwillen der Kaiſerin erregen könnte, um Gottes⸗ willen aber Ihre alte gewohnte Maske wieder vorzunehmen, wenn Sie nicht wollen, daß Ihr Lieblingsplan ſcheitern ſoll.

Aber ich habe ja keine Maske getragen, wie ſoll ich ſie alſo wie⸗

*) Nicolai, Beſchreibung einer Reiſe durch Deutſchland und die Schweiz im Jahr 1781. Band V.