Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Kaiser Joseph und Maria Theresia : 2. Band (1857)
Entstehung
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97 fürchten Sie nichts, Sohn des allmächtigen Obriſthofkanzlers, dieſe Wände hier ſind taubſtumm, und Niemand iſt in der Nähe, der meine Soldatenfreude und Ihve diplomatiſchen Kratzfüße hört. Wir ſind allein, ich habe, wie geſagt, mein ganzes Haus ſchon entlaſſen, und demzufolge erlaube mir immerhin, Freund Dominik, meine Luſt auszujubeln, und ſtatt des Paternoſters, das ich lange genug mit den Patres habe mur⸗ meln müſſen, jetzt ein wunderſchönes Soldatenlied zu ſingen, daß ich neulich einem Soldaten, einem der Sieger von Hochkirch, der als In⸗ valide heimgekehrt iſt, auf den Gaſſen abgelauſcht habe.

Und der Prinz begann mit machtvoller klingender

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Baßſtimme zu ſingen: Die Jungfer Kanone iſt meine Liebſte Der Lorbeer iſt mein Myrthenkranz, Und auf dem blutgetränkten Schlachtfeld Da tanz' ich meinen Hochzeitstanz! Trara, trara! Kein Prieſter iſt da, Der ſegnet unſre Ehe ein, Das iſt kein heuchelndes Pfäffelein, Es iſt—

Der junge Graf Kaunitz, aller Ehrfurcht und aller Etiquette ver⸗ geſſend, verſchloß mit ſeiner Hand dem Erzherzog den Mund, und wäh⸗ rend dieſer lachend ihn abzuwehren und weiter zu ſingen verſuchte, ſagte der Graf mit angſtvoller Haſt: um Gotteswillen, Hoheit, ſchwei⸗ gen Sie. Sie ſtürzen Sich muthwillig in Gefahr. Wenn die Spione der frommen Patres hier herumſchleichen, ſo müſſen Sie ja Ihre volle mächtige Stimme hören.

Mögen ſie es hören, Dominik. Es iſt mein Abſchiedslied, wel⸗ ches ich ihnen ſinge, mein Hoſianna, und es iſt uauſan von Dir, daß Du ihnen den Schluß entziehen willſt. Nein, nein, haben ſie den Anfang gehört, ſo müſſen ſie auch das Ende hören, dieſe meiné Herrn Quälgeiſter!

Und der Erzherzog öffnete ſchon den Mund, um weiter zu ſingen. Aber Graf Dominik faßte heftig ſeinen Arm.

Sie wollen es alſo durchaus dahin bringen, daß Sie nicht zur Armee abgehen dürfen? fragte er leiſe und haſtig.

Kaiſer Joſeph. 1. Abth. I. 7