Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Kaiser Joseph und Maria Theresia : 2. Band (1857)
Entstehung
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Druckdes Gehorſams, der Convenienz, der ſchweigenden Unterwürfigkeit, es emfaltete jetzt ſeine Schwingen, und ward ſich ſelig ſeiner Exiſtenz und ſeiner Freiheit bewußt. Sein Antlitz, welches ſonſt immer trübe und verſchloſſen geweſen, war jetzt lächelnd und ſtrahlend hell, ſeine Augen, in denen ſonſt nur ein düſteres Feuer brannte, waren jetzt von einer flammenden Gluth, und von einem ſo wunderbaren, ſtrahlenden Blau, daß es ſchien, als ſei ein Stückchen des reinen, ſtrahlenden Himmels herniedergeſchwebt und habe ſich in dieſe Augen verſenkt. Sein ganzes Weſen war jetzt verwandelt, ſonſt zurückhaltend, kalt und vorſichtig, war Joſeph jetzt offen, mittheilend, zugänglich für Jedermann, und während er es ſonſt vermied irgend Jemanden ſeine Antipathien und Sympathien zu zeigen, begrüßte er jetzt ſeine Freunde mit einem frohen Lächeln, ſeine Feinde mit einem finſtern Stirnrunzeln. Was hatte er jetzt noch nöthig, ſeine Gedanken zu verhehlen, und den Widerwillen zu verber— gen, den ihm dieſe Heuchler und Schmeichler einflößten, welche ſeine Kaiſer⸗ liche Mutter umgaben, und ihr Vertrauen und ihre Großmuth mißbrauchten, was hatte er nöthig die Blicke wegzuwenden, damit ſie nicht den Verrath und den Betrug ſähen, der überall die gütige leichtgläubige Kaiſerin umlauerte, was hatte er jetzt noch nöthig zu ſchweigen und zu ſchonen, jetzt, da er im Begriff war, Wien zu verlaſſen, und in Begleitung des Grafen Batthiany zur Armee abzugehen!

Die Vorbereitungen waren beendet, der Erzherzog hatte ſchon Ab⸗ ſchied genommen von der größern Hofgeſellſchaft, der heutige Abend

ſollte im engern Familienkreis zugebracht und in der Frühe des nächſten

Morgens ſollte die Reiſe angetreten werden.

Der Erzherzog hatte ſeine letzten Vorkehrungen getroffen, ſeine letzten Abſchiedsbillets geſchrieben. Er war jetzt allein in ſeinem Zim— mer, und betrachtete mit einem glückſeligen Lächeln im Spiegel ſeine eigene Geſtalt. Er ſah nicht auf ſein Antlitz, was kümmerte es ihn, daß dieſes Antlitz durch das Entzücken ſeiner Seele von einer wunder⸗ baren Schönheit durchleuchtet ward, er ſah nur ſeine Geſtalt, nur dieſe weiße Uniform, die er jetzt zum erſten Mal mit dem ſteifen glänzenden ſpaniſchen Gewand vertauſcht hatte. Vor einer Stunde war er nichts weiter als der Sohn ſeiner Ahnen, der Urenkel Karls des Fünften, von deſſen großem Erbtheil Oeſterreich kaum noch etwas Anderes übrig

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