Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Kaiser Joseph und Maria Theresia : 2. Band (1857)
Entstehung
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Verſtehe ich Ihn recht, ſo meint der Graf, Er will allein Miniſter ſein, und keine anderen Miniſter neben Sich haben?

Wenn ich Ew. Majeſtät wahrhaft nützen ſoll, dann muß es ſo ſein! Ein voller Strom der Herrſchergewalt muß das ganze Land durch⸗ rauſchen, und nicht in vielen Nebenkanälen zerſplittert und gebrochen werden. Ein Kopf und Eine Hand müſſen über Oeſterreich herrſchen, dann allein kann es groß, ſelbſtſtändig, frei und mächtig werden.

Aber Mann, rief die Kaiſerin zweifelnd, Er wird Sich doch nicht die Kraft zutrauen, Alles allein zu thun, und die Arbeiten der Staats⸗ und Hofkanzlei ganz allein zu machen?

Nein, Majeſtät, aber ich werde mich nur mit Gehülfen umgeben, die nicht ſelbſt denken, ſondern in meinen Gedanken handeln. Ich werde mir fleißige Arbeiter und ſtarke Herzen ſuchen, die an mich glauben, und mir folgen. Man muß nichts vervielfältigen und verwickeln. Den Kampf mit dem Geſchäft nehme ich auf mich, aber ich will keinen zweiten Kampf mit dem Geſchäftsmann. Der muß nicht mein Neben⸗ mann, ſondern mein Untergebener ſein, und nur durch mich denken, und für mich handeln. Wenn mir Ew. Majeſtät dieſe Gewalt geben, wenn Sie mich zum Premier in meinem Sinn, das heißt zu Eurer Majeſtät rechter Hand ernennen, dann allein ich kann Ew. Majeſtät und Oeſter⸗ reich nützlich ſein. Ich weiß wohl, daß es etwas Großes und Ge⸗ waltiges iſt, das ich fordere, aber Großes und Gewaltiges will auch Maria Thereſia für Oeſterreich, und weil ich weiß, was dieſer erhabene Kopf meiner Gebieterin Großes will, und Rieſenhaftes denkt, darum

biete ich mich ihm an, als ſeine Hand, die das ausführen will, was er beſchließt, darum will ich die Hand ſein, welche die zerſtückelten, zerfallenden Theile des alten Oeſterreichs wieder zuſammenfaßt, zu Einem verſchmilzt, und es als Ein Eanzes zu den Füßen Eurer Majeſtät niederlegt. Von dem Innern Ihrer Staatskanzelei aus muß die Lom⸗ bardei, muß Ungarn regiert werden, von dorther muß das Finanzweſen, welches das Herzblut eines Staates, die Politik, welche ſeine Seele iſt, geleitet werden. Der öffentliche Credit muß wiederhergeſtellt wer⸗ den, die Finanzen müſſen wieder geſunden, die Politik nach Außen muß klar, muthig und beſtimmt wiſſen, was ſie will für Freund und Feind, der alte Actenſchlendrian der Kanzeleien muß aufhören, und ſtatt des