Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Kaiser Joseph und Maria Theresia : 2. Band (1857)
Entstehung
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lung paßt. Ich bin kein Kriegsmann, ich führe nicht den Degen, ſon⸗ dern die Feder.

Und Er weiß noch außerdem Seine Zunge ſehr gut zu führen, ſagte die Kaiſerin, indem ſie ſich wieder auf dem großen Lehnſtuhl nieder⸗ ſetzte. Laſſen wir jetzt alſo die rothen Strümpfe und den Degen, und reden wir von Ihrer Feder und von Ihrer Zunge, welche Beide ich jetzt brauchen will. Habe mir in dieſer Zeit Alles wohl überlegt und wohl erwogen, bin viel mit mir und meinem Gewiſſen zu Rathe ge⸗ gangen, denn ich war's mir wohl bewußt, daß es ein großer Schritt war, den ich thun wollte, und den ich mit Gott und meinem Gewiſſen erſt vielfach beſprechen mußte. Darum hat's auch ſo lange gedauert, bis ich Ihn rufen ließ. Jetzt aber habe ich meine beſtimmte Entſcheidung getroffen.

Graf Kaunitz, ſo ſehr er auch ſonſt Herr ſeiner Empfindungen war, und ſich zu beherrſchen wußte, konnte doch ein leiſes Erbeben ſeiner Ge⸗ ſtalt, ein flüchtiges Erbleichen ſeiner Wangen nicht unterdrücken.

Die Kaiſerin fuhr fort: Ich bin Eins mit mir Selber, und habe meinen Entſchluß unwiderruflich gefaßt. Es ſoll dabei bleiben, was ich Ihm geſagt habe! Eine neue Zeit ſoll für Oeſterreich heraufblühen, und ſo Gott will, eine glückliche! Wir wollen die alten Bundesgenoſſen fahren laſſen, und das Bündniß mit Frankreich ſuchen und knüpfen. Das iſt Seine Aufgabe! Ich ernenne Ihn zum Oberhofkanzler an Graf Uhle⸗ feld's Stelle. Er kann mir immer ein Wenig danken, denn ich ver⸗ ſichere Ihm, daß es viel Schwierigkeiten gekoſtet hat, bis ich meinen Entſchluß gegen meine Umgebung durchſetzen konnte.

Ich danke Ihro Majeſtät, daß Sie das Bündniß mit Frankreich durchſetzen wollen, ſagte Kaunitz ernſt, ich danke dies Ihro Majeſtät, weil ich die feſte und heilige Ueberzeugung hege, daß ein Bündniß mit Frankreich allein zum Wohle Oeſterreichs gereichen kann.

Und dankt Er mir nicht, daß ich Ihn zum Miniſter ernannt habe? Oder wie, iſt Ihm die Ernennung nicht willkommen, und Er will ſie nicht annehmen?

Wenn ich ſie annehmen kann, werde ich der glücklichſte und be⸗ friedigtſte der Sterblichen ſein, ob ich ſie annehmen kann, darüber haben Ew. Majeſtät allein zu entſcheiden.

Kaiſer Joſeph. 1. Abth. I. 6