Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Kaiser Joseph und Maria Theresia : 2. Band (1857)
Entstehung
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Ich bleibe dabei, flüſterte er leiſe, er iſt doch verrückt! Nur ein Wahnſinniger kann denken, daß er ohne Degen und ohne rothe Strümpfe bis zur Kaiſerin gelangt.

Hippolyt ſchüttelte mit einem ſtolzen Lächeln das Haupt. Er iſt nicht verrückt, ſagte er, aber ein Sonderling, und ein genialer, der die Welt kennt, und ſich den Spaß macht, ihr ein Schnippchen zu ſchlagen!

Freu' mich aber doch auf den Moment, wo der ſtolze Narr wieder heimgefahren kommt, um die rothen Stkümpfe und den Galladegen anzu⸗ legen, denn die Kaiſerin wird ihn natürlich in dem Aufzug nicht annehmen!

Faſt hätte der Kammerdiener mit ſeiner ſchadenfrohen Prophezei⸗ 7 hung Recht gehabt. Die weißen Strümpfe, das einfache Kleid und der Mangel des Galladegens erregten in den Vorzimmern der Kaiſe⸗ rin ein tiefes unausſprechliches Entſetzen.

Der Kammerhuſar wagte es nicht, den Grafen in dieſem Coſtüm ¹ der Kaiſerin zu melden, und ſtürzte in den zweiten Vorſaal, um den Hofmarſchall herbeizurufen. Dieſer eilte herbei und näherte ſich mit ſeinem ſüßeſten Lächeln dem unwillig drein ſchauenden Grafen. ¹

Haben Sie die Güte, Herr Hofmarſchall, ſagte Kaunitz ſtreng, die Kaiſerin nicht länger warten zu laſſen. Ihro Majeſtät haben mich rufen laſſen, ſagen Sie Ihro Majeſtät, daß ich da bin.

Aber, Excellenz, rief der Hofmarſchall entſetzt, es kann nicht Ihr Ernſt ſein, in dieſem Coſtüm zu Ihro Majeſtät eintreten zu wollen. Wollen Sie die Gnade haben, erſt wieder gut zu machen, was Sie ohne Zweifel in einem Anfall von Zerſtreutheit vergeſſen haben! Ich bin gern bereit, Ihnen gefällig zu ſein, und wenn Ew. Excellenz mich alſo in mein Toilettenzimmer begleiten wollen, ſo werden wir da ſchon einen Degen und rothe Strümpfe finden.

Graf Kaunitz zuckte nur verächtlich die Achſeln. Ihro Majeſtät haben nach mir und nicht nach dem Galanteriedegen und den rothen Strümpfen geſchickt. Melden Sie mich alſo der Kaiſerin!

Der Hofmarſchall trat entſetzt einen Schritt zurück. Nimmermehr werde ich das wagen! Ein ſolches Vergehen gegen die der Majeſtät ſchuldige Ehrfurcht iſt ganz unmöglich!

Nun, ſagte Graf Kaunitz gelaſſen, ſo werde ich die Ehre haben, mich ſelber der Kaiſerin anzumelden.