Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Kaiser Joseph und Maria Theresia : 2. Band (1857)
Entstehung
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ſtein ihr jedes Mal die in der Sitzung zum Vortrag kommenden Ge⸗ genſtände verzeichnen mußte. Die Kaiſerin überflog das Papier mit haſtigen Blicken. Meine Herren Conferenzräthe, ſagte ſie dann, es iſt, wie mich dünkt, heute eine ſehr wichtige Frage, die wir uns und dem Kaiſerſtaat heute beant⸗ worten wollen, und bei der ich mir Ihren Rath erbitten will. Es handelt ſich um die Zukunft Oeſterreichs, und um die Freunde, oder Feinde, die wir fortan uns erwerben wollen. Die alten Verträge ſind 2ꝛ abgelaufen, die alten Freundſchaften, wie die alten Feindſchaften ſind viel⸗ 4 leicht erkaltet, und es fragt ſich ob es beſſer iſt, die erkalteten Freundſchaften mit neuen Verträgen neu aufzuwärmen, oder die erkalteten Feindſchaften im Feuer neuer Freundſchaft zu ertödten. England, Holland und Sar⸗ dinien ſind ſeit ſiebenzig Jahren unſere Bundesgenoſſen, Frankreich iſt ſeit dreihundert Jahren unſer Gegner und Feind geweſen. Soll dieſe Feindſchaft fortbeſtehen, ſollen die abgelaufenen Verträge mit Holland, England und Sardinien erneuert werden? Darüber, meine Herren Räthe, laſſet mich jetzt Eure Meinungen und Anſichten vernehmen! 4 Und nachdem ſie ſo geſprochen, winkte die Kaiſerin leicht mit einem V 3 Finger ihrer von Brillantringen funkelnden rechten Hand nach dem

Obriſthofkanzler Grafen Uhlefeld hinüber. Ich, meinestheils, ſagte der Graf ſich mit langſamer feierlicher V Würde von ſeinem Sitz erhebend, ich ſtimme für die Erneuerung un⸗ 3 ſeres Bündniſſes mit den Seemächten. Sie haben ſich uns ſeit ſiebenzig Jahren treu und wohlgemeint bewieſen. In den Tagen unſerer höchſten Gefahr, als Ludwig der Vierzehnte vor ſiebenzig Jahren uns Straßburg und den Elſaß nahm, als ſeine Bundesgenoſſen, die Türken Wien be⸗ lagerten, und dieſe zwei mächtigen Feinde die ganze öſterreichiſche Mo⸗ narchie bedrohten, da war es das Bündniß mit den Seemächten und A mit Savoyen, welches Oeſterreich, nächſt dem muthvollen Polenkönig b Johann Sobieski errettete. Sobieski entſetzte die Hauptſtadt; Savoyen hielt für uns die aufrühreriſche Lombardei im Zaum, und Holland und England bewachten und erhielten uns die Niederlande, in denen der Geiſt der Empörung ſeit Philipps von Spanien Zeiten noch immer nicht erloſchen war. Wir haben alſo dem Bündni die Niederlande, dem Bündniß mit Savoyen die L.