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der in ſeiner Friſche und Fülle dennoch keine Spur jener Aufgeworfen⸗ heit zeigte, welche man bei der Familie der Habsburger als die„öſter⸗ reichiſche Lippe“ zu bezeichnen pflegt. Ihre, etwas über die gewöhn⸗ liche Frauengröße erhabene Geſtalt, war von einem bewunderungswürdi⸗ gen Ebenmaß; und ihre wundervolle, zugleich üppig volle, und edel keuſche Büſte hätte einem Praxiteles zu einer ſeiner Juno⸗Statuen zum Vorbild dienen können. Indem man die Kaiſerin anſchaute, begriff man ſehr wohl, wie ihre, damals noch jugendlichere und ſchönere Er ſcheinung die edlen Ungarn vor dreizehn Jahren, als ſie hülfeflehend in ihrer Mitte in der Reichsverſammlung erſchien, zu ſo feurigem Enthuſiasmus und zu ſo todeskühner Begeiſterung hinreißen konnte, daß ſie jubelnd in den einmüthigen Ruf ausbrachen:„unſer Gut und Blut und Leben für unſern König Maria Thereſia!“— Ihren Kö nig Maria Thereſia nannten die Ungarn noch immer die Kaiſerin, und ſie hatten wohl Recht damit. Maria Thereſia war nur ein Weib in den Armen ihres Gemahls, in der Mitte ihrer Familie, im Innern ihrer Gemächer, ſie war ein ſtarker, willenskräftiger, ſelbſtbewußter Mann im Staatsrath, bei den Regierungsgeſchäften, und in Allem, was ihr Land, ihr Volk, ihre Krone und ihr Herrſcherthum anbetraf. Sie war im Stande, kühne Pläne zu faſſen, und zu verfolgen, und mit männlichem Geiſte ihre eigenen Vorurtheile und Neigungen zu be zwingen, wenn ſie dem Staatswohl und ihrer beſſern Ueberzeugung entgegen ſtanden.
Und dieſe männliche Energie, dieſe kühne Entſchloſſenheit leuch⸗ tete in dem Moment, als die Kaiſerin heute in den Staatsrath ein⸗ trat, mit ſo hellem Glanz von ihrer Stirn, daß ſelbſt Kaunitz, wie ge ſagt, einen Moment davon bewegt ward, und die eiſerne Starrheit ſeiner Züge ſich zu einem leiſen Lächeln erhellte. Niemand ſah dieſes Lächeln, Niemand, außer der Kaiſerin, und gleichſam als Antwort auf dieſes Lächeln, nickte ſie leiſe mit dem ſtolzen junoniſchen Haupte, als ſie an Kannitz vorüberging. Dann nahm ſie mit gelaſſener königlicher Würde ihren Lehnſeſſel ein, und forderte mit ihrer ſonoren, klangvollen Stimme die Herren Conferenzräthe zum Niederſitzen auf. Mit ihrer raſchen, energiſchen Weiſe griff die Kaiſerin ſodann nach dem Papier, welches vor ihren Platz lag, und auf welchem der Staatsreferendarius Barten⸗


