Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Kaiser Joseph und Maria Theresia : 2. Band (1857)
Entstehung
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ward durch das reizende, gutmüthige Lächeln ihres roſit

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Die Schritte und das Hüſteln kamen näher und ſebt erſchien in der Thür die hohe und majeſtätiſche Geſtalt der Kaiſerin. Die Herren Couferenzräthe legten die Hände an die zierlichen Cavalierdegen, die an goldener Quaſte an ihrer Seite niederhingen, und verneigten ſich tief und ehrfurchtvoll vor der hohen Frau, die mit leichten elaſtiſchen Schritten weiter vortrat, während die Aja Gräfin Fuchs leiſe die Thür zuzog.

Die Kaiſerin nickte ihren lächelnden Gegengruß, den indeſſen keiner der Herrn gewahren konnte, denn ihre Häupter waren, dem ſteifen ſpa⸗ niſchen Ceremoniell, das am Kaiſerhofe herrſchte, gemäß, noch immer geſenkt und mußten ſo bleiben, bis die Monarchin an ihnen vorüber⸗ geſchritten war, und ihren Platz auf dem Thronſeſſel eingenommen hatte. Einer indeſſen hatte es gewagt der ſpaniſchen Etiquette zu trotzen. Einer hielt ſein Haupt nicht geſenkt, ſondern wagte es, nach ehrerbietigem Gruß ſein Baͤdi wieder zu erheben, und den Blick auf die Kaiſerin zu heften. Dieſer Eine war der Graf Wenzel von Kaunitz, der jüngſte der Conferenzräthe.

Er ſchaute mit feſtem Auge auf die daher ſchreitende Kaiſerin hin; zum erſten Male bewegten ſich ſeine Züge ein wenig, und der leiſe Schimmer eines Lächelns fuhr einen Moment über ſeine Lippen hin. Ohne Zweifel war es das Anſchauen der Kaiſerin, welches die ſtarre Gleichgültigkeit ſeines Geſichtes bewegte, und in der That, Maria The⸗ reſia war noch immer eine ſchöne Frau, und wohl im Stande die Her⸗ zen höher ſchlagen und Lippen, welche nie gelacht, lächeln zu machen vor freudigem Stolz über ihre ſchöne Kaiſerin. Denn Maria Thereſia war noch immer ſchön trotz ihrer ſechsunddreißig Jahre, trotz der drei⸗ zehn Kinder, welche ſie ſchon ihrem Gemahl geboren. Ihre hohe ge⸗ dankenvolle reine Stirn war umſchattet von einer Fülle reichgelockten dunkelblonden leicht gepuderten Haars, das hinien im Nacken in einem goldenen mit weißen Federn umſäumten Netz, zuſammen gehalten ward. Ihre großen feurigen Augen waren von dieſem ſeltſamen Grau, das

ſo wunderbar wechſelnd iſt, und je nach den Empfindungen der Seele ſich bald in ein ſchmachtendes Blau, bald in ein dunkles feuriges Braun zu verwandeln ſcheint. Die ſchlanke kühn gebogene Naſe verlieh ihrem

Antlitz etwas Stolzes, Hochfahrendes, das indeſſen wieder gemild