Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Kaiser Joseph und Maria Theresia : 2. Band (1857)
Entstehung
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Auf ihn hatten ſich jetzt die Blicke der Grafen Harrach und Colleredo gerichtet; er ſchien es indeß gar nicht zu bemerken, und arbeitete ruhig und ungeſtört weiter.

Sie glauben alſo, Herr Graf, flüſterte Graf Colleredo gedanken⸗ voll, Sie glauben, daß Graf Kaunitz immer noch die fabelhafte Idee einer Allianz mit Frankreich zu nähren wagt?

Ich bin deſſen ganz gewiß. Ich weiß ſogar, daß er erſt vor einigen Tagen durch den franzöſiſchen Geſandten ein zärtliches Billetdoux von der Marquiſe Pompadour erhielt, das er geſtern mit einem noch zärt⸗ licheren erwiederte. Es iſt einmal ſeine fixe Idee, für Oeſterreich eine neue Weltordnung herbeizuführen und Frankreich und Oeſterreich zu Bundesgenoſſen zu machen.

Von ſeinen fixen Ideen wird man am beſten im Irrenhauſe ge⸗ heilt, ſagte Graf Harrach mit einem leichtfertigen Lachen, und dahin ſollte man den kleinen Kaunitz bringen, damit er

Er verſtummte plötzlich, denn Graf Kaunitz hatte eben ſein Auge langſam von den Akten erhoben, und ſein Blick ruhte mit einem ſo ſelt ſamen ſtarren, eiſeskalten Ausdruck auf dem lachenden Antlitz des Grafen Harrach, daß dieſer ein leiſes Fröſteln über ſein Herz dahin ziehen fühlte.

Wenn er meine Worte verſtanden hätte, murmelte er leiſe, wenn er Aber es blieb dem Grafen keine Zeit zum weitern Nachdenken, denn ſo eben wurden die zu den innern Gemächern der Kaiſerin füh⸗ renden Flügelthüren haſtig geöffnet, und der eintretende Oberhofmeiſter der Kaiſerin, Graf Khevenhüller, der zugleich als geheimer Reichshof⸗ rath Sitz und Stimme im Conferenzrath hatte, verkündete das An⸗ nähern der Kaiſerin.

Die Herren Conferenzräthe traten ſogleich Jeder hinter die ihnen zuſtehenden, ranggemäßen Stühle, welche den Conferenztiſch umgaben, und erwarteten in ehrfurchtsvollem Schweigen die kaiſerliche Präſidentin ihres Geheimrathes.

Jetzt hörte man im Nebenzimmer raſche Schritte, und das Rau⸗ ſchen ſeidener Gewänder, dann das leiſe Hüſteln der Oberhofmeiſterin Gräfin Fuchs, welche der Etiquette gemäß, die Kaiſerin jedes Mal bis an die Schwelle des Conferenzzimmers begleiten mußte, und dann hinter

ihr die Thür zu ſchließen hatte.