Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Kaiser Joseph und Maria Theresia : 2. Band (1857)
Entstehung
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Seine Stimmie iſt in dieſen Conferenzen ja alle Mal die entſcheidende, und findet immer einen Wiederhall in dem Ohr der Kaiſerin. Seien wir alſo das Echo dieſer Stimme, und begnügen wir uns mit der Freude die ſtolzen Hoffnungen dieſes kleinen anmaßenden, hochfahren⸗

den Herrn da drüben zertrümmern zu helfen.

Er deutete mit einem leiſen Augenwink hinüber nach dem großen, mit Akten und Papieren bedeckten Arbeitstiſch, um den ringsherum die hohen mit Schnitzwerk gezierten, mit ſchwarzem Leder beſchlagenen Lehn⸗ ſeſſel der Herren Conferenzräthe ſtanden, in ihrer Mitte der etwas er⸗ höhte Lehnſeſſel der Kaiſerin.

Graf Colleredo folgte dem Blick des Freundes, der ſich mit einem eigenthümlich lauernden Ausdruck Demjenigen zugewandt hatte, der da

am Ende des Tiſches den letzten der Stühle eingenommen hatte, und 1

ganz vertieft ſchien in Durchſicht der Papiere, die da vor ihm lagen. Es 1

war dies ein Herr von kleiner, zierlicher Geſtalt mit einem noch ziem⸗ 3

lich jugendlichen Angeſicht, deſſen ungewöhnliche Zartheit und Weiße 4 ſeltſam contraſtirte zu den gebräunten, männlichen, verwitterten und von den Runzeln und Furchen des Alters durchzogenen Geſichtern der übrigen Herren. Keine einzige Falte zeigte ſich in dieſem zarten weißen Angeſicht und verdunkelte die Roſen, die auf ſeinen Wangen blühten, nicht der leiſeſte Hauch einer Runzel unterbrach die Glätte dieſer Stirn, und ſelbſt der lleine purpurrothe Mund war noch ganz frei von den

Lineamenten und Schriftzügen, mit welchem das Alter und das Leben die Züge der Menſchen zu zeichnen pflegt. Aber dieſem ſo zarten, jugendlichen Angeſicht fehlte dennoch der Ausdruck der Jugend, es fehlte ihm überhaupt jeder Ausdruck. Dieſe weichen Züge ſchienen ganz be⸗ wegungslos und verſteinert trotz ihrer Weiche, nicht das leiſeſte Lächeln, bdes der leiſeſte Zug von Anmuth zeigte ſich auf dieſen unbewegten Lippen; kein Gedanke und kein Schatten flatterte über dieſe hohe glatte Stirn dahin, und der Blick dieſer klaren blauen Augen war ſo ruhig, ſo kalt und empfindunglos, wie der Blick einer Statue. Diefer Mann mit dem ſeltſam jugendlichen, verſteinerten Angeſicht war der Wernzel von Kaunitz, der jüngſte der Conferenzräthe, den M r jüngſt von ſeinem Geſandſchaftspoſten in Paris nach Wien in ihre Staatskanzlei berufen hatte.