Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Kaiser Joseph und Maria Theresia : 1. Band (1857)
Entstehung
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VIII. Das geſtörte Feſt.

Feſte folgten ſich auf Feſte, Jubel und Freude herrſchte auf allen Straßen und auf allen Plätzen der ſchönen, ehrwürdigen Hauptſtadt von Tyrol, in welcher die Kaiſerfamilie die Vermählung des Großher⸗ zogs von Toscana feierte. Die Infantin Donna Maria Loiſa hatte unter dem Geläute aller Glocken, unter dem Zujauchzen der Bevölke⸗ rung ihren Einzug in Insbruck gehalten, und in der alten Cathedrale hatte die feierliche Vermählung des jungen Fürſtenpaares ſtattgefunden.

Es war jetzt am zweiten Tage nach dieſer Vermählung. Man hatte am erſten Abend die Aufführung von Orpheus und Euridice und eine glänzende Beleuchtung der ganzen Stadt gehabt, heute, am zweiten Feſttag, ward die Oper wiederholt, aber es fand außerdem in den feſtlich geſchmückten Sälen der Kaiſerburg ein Maskenfeſt ſtatt, zu wel⸗ chem mehr als zweitauſend Einladungen ergangen waren. Es war ein glänzendes und auserleſenes Feſt, Alles funkelte von Brillanten und Ordensſternen, überall ſah man Blumen und Spiegel, Lichterglanz, Gold und Geſchmeide, überall ſah man ein buntes, phantaſtiſches Ge⸗ miſch von prachtvollen und ſchönen Masken. Alle Nationen ſchienen ſich in ihren reichſten Coſtümen und geſchmackvollſten Trachten auf die⸗ ſem Ball ein Rendezvous gegeben zu haben; da waren Armenier und Griechen, Türken und Ruſſen, Römerinnen und Spanierinnen, da waren alle Götter und Göttinnen des Olymps, da waren Feen und Sylphi⸗ den und alle Geſtalten der Fabel⸗ und Mährchenwelt, und Alles ſtrahlte von Brillanten und Geſchmeiden, von Gold, Sammet und Seide. Es war ein wunderbarer, ſinnverwirrender, berauſchender Anblick, den dieſe von Lichterglanz, von Gold, Brillanten und Spiegeln funkelnden Säle darboten, es war hinreißend, dieſe tauſend phantaſtiſchen Geſtalten zu ſehen, die da im bunten Gewirr auf⸗ und niederwogten, und deren An⸗ geſichter mit den ſchwarzen kleinen Sammetmasken verhüllt waren, aus denen die Augen wie leuchtende Sterne hervorblitzten.

Nur die kaiſerliche Familie war ohne Masken erſchienen, in dem

vollen Glanz und Schmuck ihrer Hoftoilette. Maria Thereſia, ſtrahlend 3 5

von lauge geſchn freun geſtüt