Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Kaiser Joseph und Maria Theresia : 1. Band (1857)
Entstehung
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Gluck blickte erſtaunt und faſt erſchrocken in das unbewegliche Antlitz des Fürſten. Wie? rief er. Ew. Durchlaucht meinen, ich ſolle die ganze Oper jetzt gleich aufführen laſſen, ohne ein Auditorium?

Fürſt Kaunitz hob ſein Haupt höher empor, und ſeine ſonſt ſo kalten, glüchgültigen Blicke hatten jetzt einen feurigen, zürnenden Ausdruck.

Herr Ritter Gluck, ſagte er, wiſſen Sie, daß die Qualität mehr werth. iſt, als die Quantität! Ich bin allein ſchon ein Auditorium k*) Laſſen Sie alſo immerhin ſogleich Ihre Oper aufführen, das Auditorium iſt da!

Gluck antwortete nicht ſogleich, ſondern blickte ſchweigend und mit etwas mürriſchem Geſicht vor ſich nieder. Auf einmal richtete er ſein Haupt wieder empor, und jetzt hatte ſein Antlitz wieder ſeinen energi ſchen, ſtrahlenden Ausdruck angenommen.

Ich will den Wunſch Eurer Durchlaucht befriedigen, ſagte er. Bin ſelbſt neugierig, die Oper einmal aufführen zu ſehen, und ihr als Zuſchauer beizuwohnen! In die Couliſſen, meine Herren und Da⸗ men auf der Bühne, nehmen Sie Ihre Inſtrumente wieder zur Hand, meine Herren von der Kapelle, und Sie, Herr Kapellmeiſter Gaſſmann, nehmen Sie hier den Dirigentenſtab. Dirigiren Sie meine Oper, und denken Sie daran, daß ich Ihr Zuhörer bin. An's Werk, Ihr Alle, und ich rathe Euch, ſtrengt Eure Kräfte an, leiſtet das Höchſte und Schönſte, was Ihr leiſten könnt, denn Ihr habt ein Auditorium, wie Ihr niemals ein größeres und ruhmvolleres huben werdet. Der Fürſt Kaunitz und der Ritter Gluck werden Euch zuhören!

Und ſich dann an den Fürſten wendend, reichte Gluck ihm mit freundlicher Herablaſſung den Arm. Herr Fürſt Kaunitz, ſagte er, ich bitte Sie, mir heute Ihren Arm zu geben und ſich von mir in die große Loge führen zu laſſen. Wir werden da einen Ohrenſchmaus haben, der wohl Ihre Entremets und Ihre indianiſchen Vogelneſter aufwiegt. Kommen Sie und ſeien Sie heute meine Dame, denn ob⸗ wohl Sie länger ſind als ich, darf ich hier in dieſem heiligen Tempel der Kunſt wohl behaupten, daß ich größer bin als Sie!

*) Des Fürſten eigene Worte. Siehe: Swinburne I. p. 362.