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Er hatte eben die Chorſänger zum letzten Male die ſchwierigen Chöre der Furien probiren laſſen und legte jetzt, von ſeinem Dirigen⸗ tenſitz ſich erhebend, ſeinen Commandoſtab nieder, indem er die Sänger und Sängerinnen mit einem ſtolzen Kopfnicken verabſchiedete, als Fürſt Kaunitz ſtolz und gravitätiſch wie immer durch das Orcheſter daher ge⸗ ſchritten kam und Gluck die Hand zum Gruße darreichte.— Die Sän⸗ ger und Sängerinnen auf der Bühne, welche ſich eben hatten entfernen wollen, blieben wie angewurzelt ſtehen, und ſchauten in ehrfurchtsvoller Bewunderung auf den allmächtigen Mann hin; das Chor der Furien hatte ſich in eine Ecke zurückgezogen, und war jetzt nur noch eine Schaar flüſternder, lächelnder, hübſcher junger Mädchen; die Muſiker im Or⸗ cheſter, welche eben dabei geweſen, ihre Bratſchen und Violinen, ihre Flöten und Violoncelle's in ihre Kaſten zu legen, und die großen Pauken der Unterwelt zu verhüllen, hielten jetzt inne in ihrer Arbeit und ſtaunten hinüber nach dem Fürſten, und fühlten ſich ſelber außerordent⸗ lich geſchmeichelt durch die huldvolle und gnädige Weiſe, mit welcher der große Miniſter ihrem„Capellmeiſter“ begegnete.
Nun, Maeſtro? fragte Kaunitz, ſind Sie zufrieden mit Ihren Künſtlern? Werden wir morgen Abend einen ſchönen Kunſtgenuß haben?
Gluck zuckte die Achſeln. Wir werden ihn mindeſtens ſo gut haben, wie es auf Erden möglich iſt, ſagte er. Es ſind freilich immer nur beſchränkte Menſchenſtimmen, die ſingen, nicht die reinen überirdiſchen Stimmen der Engel, denen ich meine Muſik abgelauſcht und für die ich ſie geſchrieben habe. Aber unſere Künſtler werden meine Oper wenigſtens ſo gut ſingen, als es Menſchen, die leider nicht von Aether⸗ duft und Sonnenſtaub, ſondern von Brod und Fleiſch leben, möglich iſt. Ich denke, die Donna Maria Loiſa wird dennoch vermeinen, die Muſik der Sphären zu vernehmen, und geſtehen müſſen, daß ſie nimmer etwas Aehnliches gehört!
Nun, es iſt mir lieb, das zu hören, ſagte der Fürſt mit ſeiner ſtolzen Ruhe, und innerlich geärgert über die ſtolze, ſelbſtbewußte Sprache des Künſtlers. Da ich aber der Kaiſerin verſprochen, ſelber Alles zu prüfen, zu ſehen und zu hören, ſo muß ich mich auch von der Vor⸗ trefflichkeit Ihres Perſonals und Ihrer Oper ſelber überzeugen. Haben Sie alſo doch die Güte, die Oper ſogleich einmal aufführen zu laſſen!
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