Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Kaiser Joseph und Maria Theresia : 1. Band (1857)
Entstehung
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von Juwelen, im dunkelblauen, goldgeſtickten Sammetgewande, das in langer Schleppe hinter ihr herrauſchte, die hohe, gedankenreiche Stirn geſchmückt mit einem Diadem von Brillanten und Saphiren, ſchritt freundlich grüßend und mit freudeſtrahlendem Angeſicht durch die Säle, geſtützt auf den Arm des Königs von Rom, der heiter lachend und plaudernd neben ihr ging. Ihnen zur Seite ſah man den Großherzog Leopold mit ſeiner jungen Gemahlin, welche einander zulächelten, und in den zwei Tagen ihres Beiſammenſeins ſchon Zeit gefunden zu haben ſchienen, ſich herzlich in einander zu verlieben. Hinter den beiden Paaren kamen die jungen ſchönen Erzherzoginnen, im freundlichen und ungezwungenen Geplauder untereinander oder mit den Cavalieren, die neben ihnen gingen. Und überall in den Sälen, welche die Kaiſerin in der Mitte ihrer ſchönen und zahlreichen Familie durchſchritt, blieben die Masken wie bezaubert ſtehen, und Alles neigte ſich ſchweigend und tief, indem die Kaiſerin mit ihrem glänzenden Zug ſich daherbewegte; aber wenn ſie vorüber war, folgte ihr das Gemurmel des Beifalls und der Bewunderung, und Maria Thereſia, welche dieſes Murmeln hörte und ſehr wohl verſtand, lächelte vor Vergnügen und ſchaute mit Stolz auf ihre Töchter, die immer noch die ſchönſten Mädchen Oeſterreichs geweſen ſein würden, ſelbſt wenn ſie keine Erzherzoginnen waren. Während die Kaiſerin im vollen Glanz ihrer Hoheit und ihres Famillienglückes durch die Säle dahin ſchritt, hatte ihr Gemahl, der Kaiſer Franz, ſich in das frohe Gewühl der Masken gemiſcht, und ſich damit ergötzt, hier und da mit den Masken eine ungezwungene Unter⸗ haltung zu führen, wie eben die Maskenfreiheit ſie geſtattete. Er ſelber führte eine tief verſchleierte, maskirte Dame am Arm, und überall, wo er mit ihr vorüberkam, flüſterten die Masken ſich höchſt geheimnißvoll in's Ohr: dieſe Maske, welche der Kaiſer geleitete, ſei Niemand anders, als die ſchöne, glanzvolle Frau, welcher der Kaiſer huldigte, Niemand anders, als die ſchöne Gräfin Auersperg. Einmal beim Vorüberſchreiten des Kaiſers mit ſeiner Dame ward dieſer Name ſo laut geſprochen, daß der Kaiſer ihn verſtehen mußte. Er wandte ſich mit einem ſanften Lächeln näher zu ſeiner Gefährtin hin. Meine Tochter, ſagte er, jetzt dürfen Sie ruhig ſein; Sie haben Kaiſer Joſepb. 1. Abth. II. 12