Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Kaiser Joseph und Maria Theresia : 1. Band (1857)
Entstehung
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uns verſtändigt, und ich hoffe, wir werden niemals nöthig haben, auf dies Geſpräch zurückzukommen! Geben Sie mir jetzt gefälligſt Ihren Arm, und erlauben Sie mir, Sie zu unſerer Geſellſchaft zu führen!

Die junge Gräfin nahm, ganz verſchüchtert und demuthsvoll, den dargebotenen Arm des Fürſten, und folgte ihm ſchweigend und mit durchaus entnüchtertem Herzen in die Geſellſchaftsſäle. Sie hatte ſich bis zu dieſer Stunde wirklich mit der ſtolzen Hoffnung geſchmeichelt, dereinſt die Gemahlin des Fürſten Kaunitz zu werden, der Fürſt hatte ſie jetzt enttäuſcht, ſie fühlte die Schwingen ihrer Seele für im⸗ mer gelähmt, denn ſie wußte jetzt, daß ſie niemals die Gemahlin, ſondern immer nur die bezahlte dame d'honneur des Fürſten Kaunitz ſein werde!

Die Gäſte des Fürſten, welche er zu ſeiner heutigen Mittagstaſel geladen, waren lange ſchon in dem neben dem Eßſaal befindlichen Salon verſammelt, als Kaunitz mit der Gräfin am Arm zu ihnen eintrat. Es fiel indeß dem Fürſten gar nicht ein, ſich wegen ſeines ſpäten Er⸗ ſcheinens bei ſeinen Gäſten zu entſchuldigen, und doch waren da nur Herren und Damen des höchſten Adels, der ſtolzeſten Ariſtocratie, dazu einige Geſandte der mächtigſten und größten auswärtigen Höfe. Aber Kaunitz war dieſen hochmögenden, reichen und vornehmen Leuten ge⸗ genüber doch immer noch der gefürchtete und umſchmeichelte allmächtige Miniſter der Kaiſerin, und in ſeinen klugen und gewandten Händen ruhte für jetzt das Geſchick Oeſterreichs nicht allein, ſondern auch die Fäden der europäiſchen Staatenpolitik lenkten und ordneten ſeine ſchlanken von Brillanten blitzenden Finger. Die Ariſtocraten verbargen daher ſorgfältig ihren Unmuth über die Anmaßung des ſtolzen gefürſteten Miniſters, die Geſandten gaben ſich den Anſchein, es nicht zu gewahren, daß Kaunitz gerade ſie oft gefliſſentlich vernachläſſigte, und durch die völlige Hintenanſetzung aller Rückſicht und Etiquette ihnen den Beweis geben wollte, wie wenig Oeſterreich nöthig habe, ſich um die Wohlge⸗ neigtheit und Freundſchaft der andern europäiſchen Höfe zu bewerben. Sie ertrugen es daher geduldig, daß Kaunitz ſie ſo arg demüthigte, ſie

nach ſtundenlangem Warten auf eine Audienz durch ſeine Pagen zu

entlaſſen, daß er nicht einmal, wenn er ſie zu Tiſche geladen, ihr Kommen erwartete. Erſt in den letzten Tagen hatten ſie dieſe Demüthigungen

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