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empfangen, und dennoch hatte keiner von ihnen den Muth, ſeinen Aerger und ſeinen Zorn zu zeigen, dennoch lächelte und verneigte ſich Jedermann,. als Kaunitz jetzt hoch und ſtolz durch die Reihe ſeiner Gäſte dahin ſchritt, die Fürſten und Grafen, die Geſandten und die ſchönen und vornehmen Damen nur mit einem leiſen Kopfnicken, und diejenigen, welche er beſonders ehren und bevorzugen wollte, mit einem wohlwollen— den Lächeln begrüßend.*)
Fürſt Kaunitz ſchien es gar nicht zu beachten, daß heute die Ge⸗ ſandten der mächtigſten Höfe, und ſogar ein ſouverainer, regierender deutſcher Fürſt in ſeinem Salon ſich befanden. Er ſchritt raſch an ihnen Allen vorüber, und näherte ſich dieſem kleinen, zierlichen Herrn, der bis jetzt unbeachtet und allein in einer Fenſterniſche geſtanden, und den die vornehmen Herren und die ſtolzen Damen kaum mit einem herablaſſenden Kopfneigen, einem leiſen Lächeln begrüßt hatten. Dieſer kleine, zierliche Herr war der Balletmeiſter Noverre, der geniale Schöpfer des mimiſchen und darſtellenden Ballets, wie es ſeitdem bis auf unſere Zeiten Mode geblieben iſt. Fürſt Kaunitz, der bis dahin Niemand die Ehre einer Anrede erzeigt, reichte dem Balletmeiſter mit ſeinem ſchönſten Lächeln ſeine Hand dar, und hieß ihn mit herzlichen Worten in ſeinem Hauſe willkommen. Noverre erröthete vor Vergnügen über ſolche unerhörte Auszeichnung und warf einen ſcheuen und ängſtlichen Blick hinüber nach den vornehmen Herren, die kaum im Stande waren ihr Lächeln feſtzuhalten, und ihren Mißmuth über dieſe neue Demüthigung nicht ſehen zu laſſen.
Jetzt öffneten die Lakayen die großen, nach dem Speiſeſaal füh⸗ renden Thüren, und auf der Schwelle derſelben erſchien der Haushof⸗ meiſter, um mit lauter und feierlicher Stimme zu verkünden: daß die Tafel des Herrn Fürſten ſervirt ſei!— In der Geſellſchaft entſtand eine Bewegung; die Damen hörten auf zu plaudern, die Herren näherten ſich ihnen, um ihnen den Arm zu bieten. Man erwartete nur noch, daß Kaunitz Allen das Signal gebe, und ſeine Dame erwähle, um mit ihr den Zug nach dem Speiſeſalon zu eröffnen. Die ſchöne und leicht⸗ fertige Gräfin Lauzun ſchien den Fürſten mit ihrem coquetteſten Lächeln
*) Wraxall. Memoirs V. I. p. 380.


