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Glauben wecken konnten, ich beabſichtigte meine Nichte und dame d'hon- neur zu nieiner Gemahlin zu erheben?
Niemals, nein, niemals haben Sie das gethan, rief die Gräfin, niemals haben Sie Sich mir anders denn als den großmüthigen Be⸗ ſchützer und wohlwollenden Freund und Verwandten gezeigt.
Nun denn, fragte Kaunitz mit rauhem Ton, wie kommen Sie alſo zu dem übermüthigen und verwegenen Gedanken, daß ich mich Ihnen vermählen will? Mit welchem Recht nähren Sie ſo ſtolze und eitle Ge— danken? Man hat abſichtlich überall das Gerücht verbreitet, ich habe mich mit Ihnen verlobt, man hat die Albernheit ſogar ſchon ſo weit getrieben, Ihnen, als der zukünftigen Fürſtin, zu huldigen, und Sie ha⸗ ben ſolche Huldigungen mit einem zweideutigen Lächeln, und ohne vieles
Sträuben angenommen. Ich wünſche, Madame, daß Sie von nun an ſolchen abgeſchmackten Gerüchten auf das Ernſteſte und Entſchiedenſte widerſprechen, denn wiſſen Sie, daß ich bis jetzt und wahrſcheinlich auch für alle Zukunft den entſchiedenen Willen hege, mich nicht wieder zu vermählen; ſollte dies aber einſt der Fall ſein, ſo könnte die Gemahlin des Fürſten Kaunitz doch nur in der Kaiſerfamilie oder in irgend einem andern legitimen Fürſtenhauſe zu finden ſein. Werden Sie die Güte haben, Sich dies zu merken, Gräfin?
Ich werde kein Wort von dem, was Sie mir geſagt haben, ver⸗ geſſen, ſagte die Gräfin mit mühſam zurückgehaltenen Thränen. Aber ich verſichere Sie auch, mein theurer Fürſt, daß ich niemals ſo kühne und vermeſſene Gedanken gehegt, ja, daß ich niemals ſolche Wünſche zu nähren gewagt habe. Mein Gefühle für Sie waren bei allem En⸗ huſiasmus und aller Anbetung doch durchaus reiner und uneigennütziger Art, nie habe ich mich anders zu Ihnen gedacht, als in dem Verhält⸗ niß einer dankbaren und gehorſamen Tochter zu einem angebeteten und zugleich gefürchteten Vater. Nur kindliche Gefühle erfüllten meine Seele!
Ich erſuche Sie aber, Sich mit dergleichen Gefühlen für mich durch⸗ aus nicht zu bemühen, ſagte Kaunitz verſtimmt. Ich bin durchaus nicht in der Lage und in der Nöthigung, die Nolle eines zärtlichen Vaters Ihnen gegenüber zu ſpielen, und daß Sie mir bis jetzt auch dieſe Rolle nicht zuertheilten, beweiſen Ihre Thränen, welche Sie vorher um den Beſuch der Foliazzi geweint. Aber laſſen wir das jetzt! Wir haben


