Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Kaiser Joseph und Maria Theresia : 1. Band (1857)
Entstehung
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früher zu Tiſche gehen ließen, bevor noch der Geſandte des Churfürſten von Heſſen, den Sie auch zum Diner geladen, angelangt war.

Glaubte man etwa, der Fürſt Kaunitz würde auf den kleinen Heſ⸗ ſen warten? Es war drei Minuten über die zum Diner feſtgeſetzte Zeit, ich mußte den Herren Diplomaten eine Lehre geben, pünktlich zu ſein, deshalb ließ ich ſerviren!

Aber jetzt werden Durchlaucht die Geſandten empfangen?

Jetzt werde ich die Herren bitten laſſen, nach Hauſe zu gehn, und ein anderes Mal wieder zu kommen!

Der Fürſt klingelte und befahl dem eintretenden Pagen, in das Vorzimmer zu gehen, und die dort verſammelten Herren im Namen des Fürſten zu entlaſſen.*)

Baron Binder ſchaute dem Pagen mit einem verdrießlichen Kopf⸗ ſchütteln nach. Ueber Kaunitzens Geſicht flog der Schimmer eines Lächelns. Es iſt genug für heute, genug der Geſchäfte und der Ar⸗ beit, ſagte er. Das Schiff Oeſterreich ruht ſtolz und ſicher im Hafen ſeiner Macht, und Ihr wollt's dem Steuermann verargen, wenn er auch einmal einige Stunden vom Dienſt ausruht, und nach ſeiner Laune lebt? Muß Morgen früh ſchon wieder an Oeſterreichs Steuerruder ſtehen und gen Insbruck fahren, und da wollt Ihr brummen, wenn ich heut vorher einmal ausruhe, und auf eine kurze Stunde das Leben genieße?

Ich wußte nicht, daß Ew. Durchlaucht dies„das Leben genießen“ nennen, wenn Sie die Geſandten anderer Mächte beleidigen, rief Herr von Binder verdrießlich.

Das nenne ich auch nicht ſo, närriſcher Pedant, der Sie ſind, ſondern— hören Sie da das Klopfen?

Ja, ich höre es! Es kommt von der kleinen Thür dort, die auf den Corridor führt.

Nun, und über dieſen Corridor gelangt man zu der geheimen Treppe, die zu einer Seitenpforte des Palaſtes führt, und wenn Sie jetzt vor dieſer Pforte vorübergehen würden, ſo könnten Sie da die Equipage der ſchönſten, ſprödeſten und gefeierteſten Künſtlerin von ganz

*) Geſandſchaftsbericht des Baron von Fürſt an König Friedrich II. von Preußen.

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