Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Kaiser Joseph und Maria Theresia : 1. Band (1857)
Entstehung
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Wien ſehen, die Equipage der ſchönen Foliazzi! Hören Sie nur, das 1 9 55 H 7

Klopfen wird ſtärker, meine Schöne ſcheint ungeduldig zu werden!

Sie erlauben, Durchlaucht, daß ich mich entferne, und ebenſo wie die ‚Mplomaten der ſchönen Sängerin Platz mache, ſagte Herr von Binder, ſich verabſchiedend. Indem er ſich aber der Thür näherte und hinaus ſchritt, ſagte der geſtrenge Herr Staatsreferendar leiſe vor ſich hin: wahrhaftig, wäre der Kaunitz nicht ein ſo großer und kluger Staats⸗ mann, ſo wäre man verſucht ihn für einen lächerlichen, dummen alten Gecken zu halten!

Fürſt Kaunitz wartete, obwohl das Klopfen an der geheimen Thür ſich immer ſtärker wiederholte, ganz gelaſſen, bis Herr von Binder hin⸗ aus gegangen war, dann trat er vor den großen Spiegel, ordnete einige Locken ſeiner Perrücke, die ſich aus dem kunſtvollen Zickzack auf ſeiner Stirn verſchoben hatten, legte ſein breites Spitzenjabot wieder in die richtigen Falten, und durchſchritt dann mit größter Gelaſſenheit das Gemach, um den Riegel der kleinen Thür zurückzuſchieben. Die ſchöne und gefeierte Sängerin Signora Foliazzi, in der reizendſten und co⸗ quetteſten Morgentoilette, ſtrahlend von Schönheit und Anmuth, trat ein und grüßte den Fürſten mit ihrem bezauberndſten Lächeln.

Kaunitz indeſſen empfing die Signora mit mürriſchem Geſicht und erwiderte ihren freundlichen Gruß nur mit einem kaum merklichen Kopfneigen.

Sie ſind von einer fatiguirenden Ungeduld, Olympia, ſagte er, wie ein Tambour⸗Major haben Sie an meiner Thür getrommelt.

Die Signora lachte. Durchlaucht, ſagte ſie, es war die Ungeduld der Sehnſucht, Sie endlich wiederzuſehen. Wiſſen Sie, daß ein Jahr⸗ tauſend vergangen iſt, ſeit ſich dieſe Pforte des Paradieſes zum letzten

Kal für mich öffnete? Oh, Sie ſind ſehr grauſam, ſehr kaltherzig, mein theurer, angebeteter Fürſt. Seit acht Tagen harre ich vergeblich auf irgend eine Botſchaft von Ihnen, ſeit acht Tagen habe ich ſtun⸗ denlang umſonſt am Fenſter geſtanden, und nach ihrer Equipage aus⸗ geſchaut, hat mein Herz ſtürmiſch und in froher Erwartung bei jedem Briefchen, das mir mein Diener brachte, geklopft, denn immer hoffte ich Ihre Handſchrift zu ſehen, vnd immer, ach immer vergebens!

Sie wiſſen ſich ſehr glücklich und warm auszudrücken, ſagte Kaunitz ruhig.